Rettung des Bartgeiers

Der früher in weiten Teilen Europas noch heimische Bartgeier war vor über 100 Jahren in den Alpen bereits ausgestorben. Nur eine kleine Population überlebte in den spanischen Pyrenäen.

Die Wiederansiedlung dieses eindrucksvollen Großvogels ist einer beispielhaften Initiative des WWF Österreich und der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft zu verdanken.

1986 wurden die ersten Jungvögel im Nationalpark Hohe Tauern im Bereich des Rauriser Krumtales ausgesetzt. Der letzte dort bekannte Horst in einer schwer zugänglichen Felsennische auf 1700 m Höhe erwies sich für das Aussetzen als besonders erfolgversprechend.

Weitere Auswilderungen erfolgten - verteilt über den Alpenraum - im Schweizerischen Nationalpark im Engadin, in der Haute Savoie, sowie im grenzüberschreitenden Nationalpark Argentera (Italien)/ Mercantour (Frankreich).

Von den bislang rund 70 ausgesetzten Bartgeiern haben sich rund 50 in der freien Wildbahn etabliert. Inzwischen sind vier Brutpaare bekannt, die Horste angelegt haben und ihr Revier verteidigen.

Der Bartgeier fällt nicht nur durch seine außergewöhnlich Größe mit einer Flügelspannweite bis zu 3 ½ m auf, sondern auch durch seine erstaunliche Lebensweise: Er ernährt sich als Aasfresser fast ausschließlich von Knochen verendeter Wild- und Haustiere. Die Knochen lässt er aus großer Höhe auf Felsen herabfallen, damit sie in kleinere Teile zerschmettern und dann leichter zu verzehren sind. Der bei Geburt weiße Vogel suhlt sich systematisch in eisenoxidhaltigen Schlammpfützen und schafft sich durch die fest anhaftenden, roten Pigmentteilchen ein leuchtend rotes Federkleid an Kopf und Nacken. Der Federbart des Bartgeiers dient dabei als "Pinsel", um den Pigmentschlamm auf dem Federkleid zu verteilen. Die Gründe für dieses eigenartige Verhalten sind bislang unbekannt.

Quelle:
"Der Bartgeier und seine Heimkehr in die Alpen" herausgegeben vom Nationalparkfonds, Nationalpark Hohe Tauern, WWF-Österreich und Nationalparkrat Hohe Tauern; Salzburger Nationalratsfonds 1996.

  

2002 wurden sechs junge Bartgeier in freier Wildbahn geboren, - ein Beweis für den Erfolg der Wiedereinbürgerung dieser Tiere. Ein Junges starb in Hochsavoyen, nachdem es aus dem Nest gefallen war. Die fünf übrigen flogen vor kurzem aus, drei davon aus dem Nationalpark Stilfserjoch. Die zwei anderen kamen im französischen Nationalpark La Vanoise zur Welt.

Quelle:
nach Infoblatt des Alpinen Netzwerks Nr. 12, S.7, Nov. 2002;
Internationales Bartgeiermonitoring , Bericht II 2002.