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AlpenForum 2000
Workshop Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
im Alpenraum
Konzept des Workshops
Auf der Grundlage der einführenden Impulsreferate sollen in diesem Workshop die strukturellen Voraussetzungen und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für eine zukunftsorientierte, nachhaltige Expansion wirtschaftlicher Aktivitäten im Alpenraum diskutiert werden. An Hand konkreter, praxisorientierter Beispiele ist zu prüfen, ob und in welcher Form sich bestimmte Branchen oder Einzelunternehmen unter dem Gesichtspunkt einer nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum präferent positionieren können, und welche Beurteilungskriterien bei der Abschätzung der damit verbundenen Chancen und Risiken im ökonomischen, ökologischen und soziokulturellem Bereich anzusetzen sind. Eine qualifizierte, den heutigen Anforderungen gerecht werdende Ausbildung, die Ausrichtung auf Kernkompetenz und gezielte Marktnischen bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, eine konsequente Intensivierung und Förderung der Forschung, eine möglichst standortunabhängige Nutzung moderner Informations-, Kommunikations- und Transporttechniken und eine vorausschauende Raumplanungs- und Infrastrukturpolitik sind auch und gerade im Alpenraum Eckparameter einer erfolgreichen, nachhaltig orientierten Wirtschaftsstrategie. Diese Anforderungen können in einer sich schnell ändernden Gesellschaft nur durch die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen erfüllt werden.
Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung heisst vor allem aber auch die Bereitschaft und Fähigkeit, das kostbare Naturkapital unserer Bergwelt zu achten und mit grösstmöglicher Konsequenz zu verteidigen. Wirtschaftsaktivitäten, die diesen Grundsatz nicht respektieren und entsprechend handeln, gehören nicht in den Alpenraum.
Die konkrete Umsetzung solcher Überlegungen soll an Hand erfolgreicher, nachhaltig operierender Wirtschaftsaktivitäten im Alpenraum diskutiert werden. Verwirklicht wurden z. B. ein neues, ökonomisch und ökologisch sinnvolles Optimierungskonzept im transalpinen Gütertransport (gleichzeitig Schwerpunkt des zweiten Impulsreferates), die Entwicklung und der Einsatz neuer Holzbautechniken, der Aufbau eines geronto- technologischen Dienstleistungszentrums, die technische Realisierung eines rentablen, ökologisch nachhaltig konzipierten Produktionsprozesses in einer grossen Weinkellerei, der erfolgreiche Aufbau von Kompetenzzentren und Wirtschaftsclustern etwa auf dem Gebiet der speziellen Werkstoff- oder Lasertechnik, sowie die Nutzung nachwachsender Rohstoffe im Bereich der Energieerzeugung, im Bau- und in der Fahrzeugtechnik und anderen Spezialbereichen. Schliesslich soll auch auf neue Konzepte hingewiesen werden , die Chancen nachhaltiger Entwicklungen im Bereich der Wirtschaft mit Hilfe virtueller Vernetzungstechniken zu optimieren und das anwendungstechnische Wirtschaftpotential im Alpenraum verstärkt zu nutzen.
In der Diskussion soll insbesondere darauf geachtet werden, ob und in welcher Form neben den ökonomischen auch essentielle ökologische und soziale Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne eines Sustainable Development erkennbar und angemessen berücksichtigt werden, und wo es gilt, noch bestehende Defizite im Bereich einer wirtschaftlichen Nachhaltigkeit abzubauen.
Kurzfassung Impulsreferat 1
CHANCEN INNOVATIVER WIRTSCHAFTSIMPULSE IM ALPENRAUM
Ian C. Meerkamp van Embden
Im Alpenraum gewinnt ein dienstleistungsorientierter Mittelstand, ein innovatives Produkt- und Verfahrensangebot von Handwerks- und Industrieunternehmen, sowie der Ausbildungssektor wachsende Bedeutung. Auf die entscheidende Rolle des Tourismus, der Gastronomie und Hotellerie sowie des Kulturwesens soll in diesem Zusammenhang nicht näher eingegangen werden.
Zu Eckparametern einer nachhaltig orientierten Wirtschaftsstrategie gehören eine qualifizierte, den technischen, wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Anforderungen unserer Gesellschaft gerecht werdende Ausbildung, die Ausrichtung auf Kernkompetenz in Marktnischen bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, die Intensivierung und Förderung der Forschung, eine möglichst standortunabhängige Nutzung moderner Informations-, Kommunikations- und Transporttechniken und eine vorausschauende Raumplanungs- und Infrastrukturpolitik.
Diese Anforderungen können in einer sich schnell ändernden Gesellschaft nur durch die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen erfüllt werden. Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung insbesondere im Alpenraum heisst aber auch die Bereitschaft und Fähigkeit, das kostbare Naturkapital unserer Bergwelt zu achten und zu verteidigen.
Unter Berücksichtigung dieser Überlegungen finden sich heute präferente Marktchancen im
Die Verwirklichung solcher Initiativen wird am Beispiel von konkreten, im Alpenraum erfolgreich initiierten Wirtschaftsaktivitäten veranschaulicht. Hierbei sollen die Chancen dieser Entwicklungen diskutiert, aber auch deren mögliche Risiken hinterfragt werden.
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Der nachfolgende Beitrag ist eine überarbeitete und ergänzte Fassung des Referats im Rahmen des Workshops "Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung im Alpenraum" anlässlich des forum alpino 2000 am 13. September 2000 in Castione della Pesolana. |
Text im PDF-Format zum Download
1. WAS BEDEUTET "NACHHALTIGE ENTWICKLUNG"?
wenn in diesem heutigen Workshop von einer nachhaltigen Wirtschaftentwicklung die Rede sein soll, dann seien einige kurze Vorbemerkungen erlaubt: Die Erfahrung zeigt, dass dem Unternehmensmanagement in den verschiedenen Wirtschaftbereichen die zentrale Bedeutung der ökonomischen Nachhaltigkeit durchaus selbstverständlich erscheint, während dies bei den genau so entscheidenden ökologischen uns sozialen Gesichtpunkten auch heute noch keineswegs immer gewährleistet sein muss. Gegen diesen Hintergrund gesehen war die Verwirklichung einer nachhaltig orientierten Wirtschaftsstrategie komplementär zum Tourismus nach dem Niedergang des Bergbaus, der früheren eisenverarbeitenden Industrie und der Textilunternehmen im letzten sowie der Berglandwirtschaft in diesem Jahrhundert noch nie so aktuell wie gerade jetzt.
Trotz intensiver Diskussion in den letzten 9 Jahren seit Rio 1992 gibt es auch heute noch keine wissenschaftlich schlüssige Antwort auf die Frage, wann eine Entwicklung tatsächlich als nachhaltig angesehen werden kann, und ich bezweifle, dass dies je der Fall sein wird. (s. Abb. 1: Auswahl von Leit- Indikatoren zur Beurteilung einer Nachhaltigen Entwicklung"). Vielmehr stützt sich eine solche Bewertung auf die Überprüfung bestimmter ökonomischer, ökologischer und sozialer Leitindikatoren, deren Gewichtung allerdings einer gesellschaftspolitischen Abwägung unterliegt. Dabei kann das Ergebnis je nach den spezifischen Gegebenheiten des zu bewertenden Projektes im jeweiligen Land oder einer bestimmten Region durchaus unterschiedlich ausfallen Deutlich wird dies, wenn das betreffende Vorhaben nach bestimmten Planungsvorgaben operrationalisiert werden soll, und hierbei konkurrierende Zielvorstelllungen auf einander abgestimmt werden müssen.
2. WELCHE FAKTOREN BEEINFLUSSEN DIE MODERNE WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG,
UND WAS BEDEUTET DIES FÜR DEN ALPENRAUM?
Wenn wir die heutige Wirtschaftentwicklung generell betrachten, dann wird deutlich, dass bestimmte Faktoren diese Entwicklung prägen und den Erfolg oder Misserfolg eines Vorhabens ganz entscheidend beeinflussen können. Aus- und Fortbildung, die Konzentration auf Kernkompetenz und gesellschaftliche Akzeptanz gehören hierbei zu den Kriterien mit höchster Priorität. (s. Abb. 2: Wirtschaftsentwicklung I: Bestimmende Faktoren).
Die Entwicklung in weiten Teilen des Alpenraums wird charakterisiert durch das Ausbluten der Berglandwirtschaft und den relativen Rückgang des industriellen Beitrags zum Brutto-Inlandprodukt in den letzten Jahrzehnten. Demgegenüber ist der wachsende und inzwischen dominierende Anteil des vom Tourismus geprägten Dienstleistungsbereichs klar erkennbar. Welche krassen Ungleichgewichte hierbei regional auftreten können, zeigt folgender Vergleich: Das Bruttoinlandprodukt pro Kopf der Bevölkerung lag 1999 beispielsweise für das Bundesland Wien um 201% höher als im Bundesland Burgenland, und im Kanton Basel-Stadt um 415 % höher als im Kanton Appenzell-Innerrhoden. Folgt man diesen Feststellungen, ergeben sich signifikante Folgerungen für die heutige und zukünftig notwendige Wirtschaftsentwicklung im Alpenraum. Hierzu gehören die Priorität einer qualifizierten Aus- und Fortbildung, der weitere Ausbau moderner Dienstleistungen und eine innovative, mittelständische Produktentwicklung. (s. Abb. 3: Wirtschaftsentwicklung II: Folgerungen für den Alpenraum).
Erschwerend wirken sich allerdings eine Reihe von Entwicklungstendenzen aus, ohne deren Berücksichtigung eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in den Bergregionen nicht möglich sein wird. Hierzu gehören beispielsweise
- die Abwanderungstendenz junger Menschen
- die in den letzten Jahrzehnten rasant steigende inneralpine Urbanisierung,
- der wirtschaftliche Niedergang vieler strukturschwacher Regionen am Beispiel der Südwest und der Ostalpen
- die drohende Übernutzung des Naturkapitals in bestimmten Vorzugslagen als Folge einer mangelhaften Raumordnung und oft ökologisch bedenkenlosen Erschliessung der noch verbliebenen alpinen Rückzugsgebiete
- die Überalterung der Bevölkerung und das fehlende Nachfolgepotential für Gewerbe- und Wirtschaftsbetriebe in vielen Berggebieten
(s- Abb. 4: Demographische, strukturelle und soziopolitische Probleme des Alpenraumes)
Dies erfordert ökonomisch sinnvolle Initiativen, die gleichzeitig dem Postulat einer ökologisch nachhaltigen und sozial verträglichen Entwicklung soweit irgend möglich gerecht werden müssen.
Hierzu gehören auch eine konsequente Raumordnungspolitik und die Rückbesinnung auf dezentrale Infrastrukturen in Ungunstlagen der Alpen (s. Abb. 5: Demographische, strukturelle und soziopolitische Probleme des Alpenraums II: Lösungsansätze
Dass dies offenbar auch von der ansässigen Bevölkerung so gesehen wird, zeigte sich auf Grund einer orientierenden Umfrage, die wir 1998 bei Bewohner innerhalb und ausserhalb des Alpenraumes durchgeführt haben. Der weitaus grösste Teil der Befragten befürwortete eine konsequentere Raumplanung, eine Dezentralisierung öffentlicher Institutionen und die Stärkung von Dienstleistungen in strukturschwachen Regionen, sprach sich aber eindeutig gegen eine weitere "Erschliessung" der Alpen aus.
Folgt man den Ergebnissen unserer orientierenden Befragung, dann ist auch die Notwendigkeit einer qualifizierten Ausbildung, die Pflege historisch gewachsener Kulturtradition und die Notwendigkeit eines konsequenten Natur- und Umweltschutzes in der alpinen Bevölkerung weitgehend unstrittig.
3. OPTIONEN FÜR INNOVATIVE WIRTSCHAFTVORHABEN
IN DEN BERGREGIONEN
Zukunftschancen für sozioökonomisch erfolgreiche Initiativen bieten im Alpenraum in erster Linie
Von einer näheren Erörterung wirtschaftlicher Innovationen im Bereich des Tourismus, Hotellerie- und Gastronomiebereichs sowie der wirtschaftlichen Aspekte des Kulturwesens wird hier abgesehen, da diese Thematik auf Wunsch der Kongressleitung an anderer Stelle der Konferenz behandelt werden soll.
Wichtig ist eine aktive, dem regionalen Bedarf angepasste Innovationspolitik und die optimale Vernetzung solcher Zentren für bestimmte Fachgebiete auch mit der wissenschaftlichen Entwicklung an den Universitäten, Fachhochschulen, Akademien und Höheren Technischen Lehranstalten . Es gibt eine wachsende Anzahl guter Beispiele für die innovative und gelungene Umsetzung der hier skizzierten Möglichkeiten. Das Konzept des Aufbaus von Kompetenzzentren und Wirtschafts-Clustern ist beispielsweise im Bereich Laser- und Werkstofftechnik in der Oststeiermark auf Initiative des dort zuständigen Landes-Wirtschaftsrates Paierl bereits seit einigen Jahren im Aufbau begriffen, namentlich in Niklasdorf, Kapfenberg, Liezen und Bruck an der Mur. Im sogenannten "Holz-Cluster" mit den Zentren Murau und Judenburg sollen einmal 5.000 holverarbeitende Betriebe mit insgesamt 50.000 Beschäftigten angehören, in Kärnten ist unter der Bezeichnung "Silicon-Alps" ein HighTech-Zentrum mit Chip-Produktion entstanden.
Die Umsetzung bestimmter Vorhaben im wirtschaftlichen Bereich muss sich allerdings auf eine vorhandene oder zumindest ausbaufähigen Infrastruktur der betreffenden Regionen stützen können. Hierzu gehört die Verkehrsanbindung ebenso wie die Präsenz bestimmter Dienstleistungen der öffentlichen oder privaten Hand. Erkennbar werden hier besondere Schwächen der gegenwärtigen regionalpolitischen Trends. Wenn immer mehr Dienstleistungszentren wie Bahn, Post Polizeistationen oder andere Verwaltungseinheiten entweder ganz gestrichen oder in städtischen Ballungsgebiete transferiert werden, wird die wirtschaftliche Erosion strukturschwacher Regionen nur noch beschleunigt. Das ist eine Politik des kurzen Atems, an der eigentlich niemand interessiert sein kann. Die gleichen Überlegungen gelten sinngemäss für das Vorhandensein eines Angebotes gut ausgebildeter Arbeitskräfte. Dies erfordert eine Ausbildung des Nachwuchses in Bereichen, die von der Wirtschaft auch wirklich benötigt werden.
In Österreich haben drei Forschungsteams über einen Zeitraum von zwei Jahren an Hand von 2500 gezielten Expertenbefragungen versucht, eine Zukunftsseinschätzung für Österreich zu erarbeiten. Das im sogenannten "Delphi-Report" vorgelegte Ergebnis dürfte auch auf Alpenbereiche anderer Länder wie etwa der Schweiz, Frankreich, Italien oder Deutschland Anwendung finden können. (s. Abb.6:Zukunftstechnologien I: Österreichischer Delphi-Report) Auch das international renommierte Battelle Institut in USA hat sich mit der Frage der Zukunftstechnologien befasst und Leittechnologien bis 2030 prognostiziert. (s. Abb. 7: Zukunftstechnologien II, Battelle-Institut, Columbus, USA)
Einige der Überlegungen in diesen beiden Reports halte ich auf Grund mangelnder Präzision der Aussage oder der geringen Wahrscheinlichkeit einer Übertragbarkeit auf den Alpenraum für fragwürdig, aber im grossen und ganzen decken sich die Prognosen mit den Tendenzen , die wir im ALPEN FORUM für wahrscheinlich halten. (s. Abb.8: Zukunftstechnologien III, aus Sicht von ALPENFORUM)
4. DIE IMPLEMENTIERUNG VON NACHHALTIGEN WIRTSCHAFTSENTWICKLUNGEN AN HAND KONKRETER BEISPIELE IM ALPENRAUM
Die hier vorgetragenen Überlegungen müssen mit der weltweiten Globalisierung der Wirtschaft, an der auch der Alpenraum nicht vorbeigehen kann, nicht im Widerspruch stehen. Auch kleine und mittelständische Unternehmen können von den Chancen einer Marktglobalisierung profitieren. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die heutigen Möglichkeiten der Kommunikation und Information unter Einbeziehung der Möglichkeiten des Internets auch genutzt werden.
Ich möchte dies an einer Reihe erfolgreicher Modellvorhaben im Alpenraum erläutern:
4.1. Nachhaltiger Gütertransport im Alpentransit
Die bereits weit über das vertretbare Ausmass hinausgehende Überlastung auf den transalpinen Transit-Autobahnen mit allen negativen Folgen vor allem für die Anrainer in den Bergtälern, aber auch für den Tourismus, zwingt zu einer stärkeren Kurskorrektur und sinnvolleren Verkehrspolitik. Bisherige Anstrengungen in dieser Richtung scheiterten immer wieder an höheren Transport- und Personal -Kosten auf der Schiene, an eine den Strassenbau eher einseitig fördernden Verkehrskonzeption, und an der fehlenden Kraft der massgeblichen Entscheidungsträger, sich politisch, organisatorisch und technisch auf einen vernünftigen Konsens zu einigen. Trotz dieser grossen Schwierigkeiten hat es mutige Kämpfer gegeben, die sich nicht beirren liessen und neue Wege gegangen sind. Hierzu zählt, der obberbayerische Unternehmer Karl Fischer, dessen logistisches Konzept für einen effizienten Transitgüterverkehr hohe Anerkennung gefunden hat.(s. Abb. 9: Nachhaltiger Gütertransport im Alpentransit)
4.2. Entwicklung neuer Holzbautechniken
Ein praxisorientiertes Beispiel aus diesem Bereich ist die Entwicklung und Herstellung von KLH Kreuzlagenholz in der Steiermark, welches eine zeitsparende Verlegung von Wand- und Deckenkonstruktionen aus Massivholz erheblich erleichtert und eine verbesserte Lastenabtragung in beliebiger Richtung ermöglicht. Die sozioökonomischen Vorteile liegen
Die ökologischen Vorteile beruhen
- auf dem Einsatz von Holz als nachwachsender Rohstoff im alpinen Raum,
- der klimatisch bedeutsamen Neutralität der CO2-Bilanz und der Förderung einer Kreislaufwirtschaft durch Recyclingfähigkeit des Materials.
(s. Abb.10: Entwicklung neuer Holzbautechniken)
4.3. Aufbau eines gerontotechnologischen Dienstleistungszentrums
Das im Aufbau befindliche Dienstleistungszentrum im oberbayerischen Bad Tölz beruht auf dem Grundgedanken, dass immer mehr Menschen immer älter werden und damit auch vielfach hilfsbedürftiger und gebrechlicher. Ziel dieses Grossprojektes ist die Entwicklung innovativer Rehabilitationstechniken u.a. im Bereich der Ergonomie und sensorik, oder des für ältere Menschen immer wichtigeren Barrièrefreien Design. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten überzeugt das hohe Wertschöpfungspotential bei geringem Stoffdurchsatz und die sehr hohe soziale Kompetenz dieses Vorhabens, von der Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze einmal ganz abgesehen (s. Abb. 11: Aufbau eines gerontotechnologischen Deinstleistungszentrums im oberbayrischen Bad Tölz).
4.4. Nachhaltiger Produktionsbetrieb einer Weinkellerei in Südtirol
Dieses in die Praxis umgesetzte Unternehmenskonzept besticht durch architektonisch und baulich sorgfältige Konstruktion, vor allem aber durch die Verwirklichung eines fast schon revolutionär anmutenden Energiehaushalts durch optimalen Einsatz von Wärmerückgewinnungsanlagen, variabler Kühl- und Heiztechnik, Nutzung passiver Erdwärme, Niedrigtemperaturbeleuchtung, Sonnenkollektoren, photovoltaische Stromerzeugung und ein mikroprozessorgesteuertes SPS - System. Dieser wirtschaftlich ebenso wie ökologisch leistungsfähige Betrieb ist die erste private Grossanlage dieser Art in Italien und wurde zu Recht mehrfach ausgezeichnet. (s. Abb. 12: Nachhaltiger Produktionsbetrieb einer Weinkellerei in Südtirol)
4.5. Mikroelectronic cluster me2c in Kärnten
Der Aufbau von Kompetenzzentren und Wirtschaftsclustern erhöht die Chancen einer Effizienzsteigerung innerhalb bestimmter Wirtschaftsbereiche durch Vernetzung. Das erst kürzlich gegründete Microelectroni cluster me2c koordiniert und vernetzt die Aktivitäten von derzeit rund 60 Unternehmen auf dem Elektronik-Sektor in Kärnten, sowie einer Reihe von Forschungs-, Entwicklungs- und -Ausbildungszentren im Bereich Wirtschaftswissenschaften, Informatik und Telekommunikation.
Der hier angesiedelte Kompetenzbereich umfasst Entwicklungs- und Produktionsstätten mit hohem Wertschöpfungspotential, verbunden mit einer inzwischen aufgebauten Weltmarktführung im hochspezialisierten Nischenbereich (Etcher-Technologie). Qualifizierungsverbund, Benchmarking und interne Weiterbildung sind weitere Merkmale einer wirtschaftlich nachhaltig operierenden Unternehmensphilosophie. (s. Abb. 13: Mikroelektronic cluster me2c in Kärnten)
6. AUSBLICK
Wenn auch erst in den Anfängen, so gibt es durchaus ermutigende Zeichen einer Tendenz zur nachhaltigeren Wirtschaftsentwicklung im Alpenraum. Flexibilität und Konzentration auf Marktnischen einerseits und Achtung vor den Grenzen der Nutzung unseres alpinen Naturkapitals andererseits sind wichtige Voraussetzungen für die erfolgreiche Wahrnehmung einer ökonomisch, ökologisch und sozial ausgewogenen Zukunftsperspektive im Alpenraum.
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Zusammenfassung der Referate und Ergebnisse |
1. Einführungsreferat: Ian C. Meerkamp van Embden (gleichzeitig Moderator)
In seinem einführenden Referat erläuterte Meerkamp van Embden die bestehenden Chancen innovativer Wirtschaftsimpulse mit nachhaltigem Charakter im Alpenraum. Die Verwirklichung einer solchen Wirtschaftsstrategie komplementär zum Tourismus sei nach dem Niedergang des Bergbaus, der früheren eisenverarbeitenden Industrie und der Textilunternehmen im letzten sowie der Berglandwirtschaft in diesem Jahrhundert eine Herausforderung mit hoher Priorität.
Eine qualifizierte Aus- und Fortbildung, die Konzentration auf Kernkompetenz und gesellschaftliche Akzeptanz gehörten hierbei zu wichtigen Auswahlkriterien. Schwerpunkte bildeten hierbei der Ausbau moderner Dienstleistungen und eine innovative, mittelständische Produktentwicklung. Wichtig sei in diesem Zusammenhang eine aktive, dem regionalen Bedarf angepasste Innovationspolitik und die optimale Vernetzung mit Forschdungszentren der Universitäten, Fachhochschulen und Höheren Technischen Lehranstalten. Erschwerend würden sich hierbei allerdings Entwicklungstendenzen auswirken, ohne deren Berücksichtigung eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in den Bergregionen kaum möglich sein werde.
Hierzu gehöre beispielsweise
Nach Auffassung des Referenten sind in diesem Zusammenhang eine konsequentere Raumordnungsplanung und eine Rückbesinnung auf die Notwendigkeit dezentraler Infrastrukturen in Ungunstlagen der Alpen erforderlich
Als Optionen für innovative Wirtschaftvorhaben in den Bergregionen nannte Meerkamp van Embden u.a.
Siehe hierzu Anlage 1: Zukunftstechnologien im Alpenraum.
Von einer näheren Erörterung des Tourismus, Hotellerie- und Gastronomiebereichs sowie der wirtschaftlichen Aspekte des Kulturwesens sah der Referent ausdrücklich ab, da diese Thematik auf Wunsch der Kongressleitung an anderer Stelle Konferenz behandelt werden sollte
Meerkamp van Embden nannte eine Anzahl anschaulicher Beispiele für die innovative und gelungene Umsetzung der in Anlage 1 skizzierten Möglichkeiten:
Entwicklung neuer Holzbautechniken
Als praxisorientiertes Beispiel aus diesem Bereich nannte der Referent die Entwicklung und Herstellung von KLH Kreuzlagenholz in der Steiermark, welches eine zeitsparende Verlegung von Wand- und Deckenkonstruktionen aus Massivholz erheblich erleichtert und eine verbesserte Lastenabtragung in beliebiger Richtung ermöglicht..
Die sozioökonomischen Vorteile liegen in der Stärkung regionaler Standorte und der Schaffung neuer, ortsansässiger Arbeitsplätze.
Die ökologischen Vorteile beruhen auf dem Einsatz von Holz als nachwachsender Rohstoff im alpinen Raum, der klimatisch bedeutsamen Neutralität der CO2-Bilanz und der Förderung einer Kreislaufwirtschaft durch Recyclingfähigkeit des Materials.
Aufbau eines gerontotechnologischen Dienstleistungs-zentrums
Das im Aufbau befindliche Dienstleistungszentrum im oberbayerischen Bad Tölz beruhe auf dem Grundgedanken, dass immer mehr Menschen immer älter werden und damit auch vielfach hilfsbedürftiger und gebrechlicher.
Ziel dieses Grossprojektes sei die Entwicklung innovativer Rehabilitationstechniken u.a. im Bereich der Ergonomie und Sensorik oder des für ältere Menschen immer wichtigeren barrièrefreien Design.
Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten besteche an diesem Beispiel das hohe Werschöpfungspotential bei geringem Stoffdurchsatz und die hohe soziale Kompetenz dieses Vorhabens, von der Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze einmal ganz abgesehen.
Nachhaltiger Produktionsbetrieb einer Weinkellerei in Südtirol
Dieses in die Praxis umgesetzte Unternehmenskonzept beindrucke durch architektonisch und baulich sorgfältige Konstruktion, vor allem aber durch die Verwirklichung eines fast schon revolutionär anmutenden Energiehaushalts durch optimalen Einsatz von Wärmerückgewinnungsanlagen, variabler Kühl- und Heiztechnik, Nutzung passiver Erdwärme, Niedrigtemperaturbeleuchtung, Sonnenkollektoren, photovoltaische Stromerzeugung und ein mikroprozessorgesteuertes SPS - System.
Dieser wirtschaftlich ebenso wie ökologisch leistungsfähige Betrieb sei die erste private Grossanlage dieser Art in Italien. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet.
Der Aufbau von Kompetenzzentren und Wirtschaftsclustern erhöht nach Auffassung des Referenten die Chancen einer Effizienzsteigerung innerhalb bestimmter Wirtschaftsbereiche durch Vernetzung.
Das erst kürzlich gegründete Microelectronic cluster me2c sei hierfür ein gutes Beispiel. Es koordiniere und vernetze die Aktivitäten von derzeit rund 60 Unternehmen auf dem Elektronik-Sektor in Kärnten, sowie einer Reihe von Forschungs-, Entwicklungs- und -Ausbidlungszentren im Bereich Wirtschaftswissenschaften, Informatik und Telekommunikation. Der hier angesiedelte Kompetenzbereich umfasse Entwicklungs- und Produktionsstätten mit hohem Wertschöpfungspotential, verbunden mit einer inzwischen aufgebauten Weltmarktführung im hochspezialisierten Nischenbereich (Etcher-Technologie).
Qualifizierungsverbund, Benchmarking und interne Weiterbildung seien weitere Merkmale einer wirtschaftlich nachhaltig operierenden Unternehmensphilosophie.
2. Referat Karl Fischer
Im nachfolgenden, zweiten Teil des Workshops stellte Karl Fischer die Konzeption und Umsetzung seines Projekte „kombinierter Verkehr und Gütertransport“ vor.
Die bereits heute weit über das vertretbare Ausmass hinausgehende Überlastung auf den transalpinen Autobahnen mit allen negativen Folgen vor allem für die Anrainer in den Bergtälern, aber auch für den Tourismus, zwinge zu einer stärkeren Kurskorrektur und sinnvolleren Verkehrspolitik. Bisherige Anstrengungen in dieser Richtung seien immer wieder an höheren Transport- und Personal -Kosten auf der Schiene, an eine den Strassenbau eher einseitig fördernden Verkehrskonzentration, und an der fehlenden Kraft der massgeblichen Entscheidungsträger, sich politisch, organisatorisch und technisch auf einen vernünftigen Konsens zu einigen, gescheitert.
Gegen diesen Hintergrund sei die Idee
„Kombinierter Landungsverkehr München-Verona in sechs Stunden“
bereits 1988 geboren worden. 1999 habe man mit den Beteiligten (u.a. KV-Transporteure, Bahnbehörden, Bayrisches Verkehrsministerium) einen entsprechenden Kooperationsvertrag unterzeichnen können.
Man habe sich auf folgende Kernpunkte einer effizienten Verlagerung des Strassentransports auf die Schiene im kombinierten Güterverkehr KV München Verona konzentriert:
Durch präzise, wissenschaftlich intensiv begleitete Analyse von Material- und Informationsfluss unter Einschaltung aller tangierten Stellen sei der Transportprozess in Einzelschritte zerlegt und die Optimierung der Systemzeiten ermöglicht worden.
Das Projekt habe allerdings auf Grund bahntechnischer Dienstleistungsprobleme seinen ursprünglich geplanten „Meilenstein“ nicht, bzw. bislang nur unvollständig erreicht. Wie Fischer abschliessend erwähnte, laufen derzeit Verhandlungen mit dem Ziel eines neuen, erweiterten Projekts unter Berücksichtigung der bislang gewonnenen Erfahrungen.
3. Diskussionsergebnisse
Wie anlässlich der Diskussion zu erfahren war, erhielt Karl Fischer für sein Projektvorhaben den Logistikpreis Deutschland 2000.
Prof. Müller, Universität Bern, kritisierte die seiner Meinung nach zu starke Betonung der Telekommunikation bei der Entwicklung „nachhaltig“ orientierter Wirtschaftskonzepte. Von mehreren Seiten, darunter von Ferz, (Universität Graz) wurde die Frage gestellt, ob eine „komplette“ Infrastrukturerhaltung auch in kleinen, abgelegeneren Berggemeinden sinnvoll sein könne. Es bestand in der Diskussion allerdings Konsens darüber, dass ein weiterer Abbau der noch bestehenden Dienstleistungsangebote (Bahn, Post, Polizei, Nahversorgung mit Lebensmitteln etc) der öffentlichen oder privaten Hand die ohnehin schon problematische Wirtschaftslage in solchen Ungunstlagen weiter verschärfen würde.
Die Frage einer sinnvollen Raumplanung beantwortete Meerkamp van Embden mit dem Hinweis, das Bergregionen im Interesse einer sinnvollen Raumordnungspolitik
Leitvorstellungen für eine zukunftsorientierte Gestaltung der betreffenden Region erarbeiten sollten. Gelungene Vorlagen dieser Art gebe es z.B. in Südtirol, wo u. a, vom zuständigen Umweltrat im Konsens mit den angesiedelten Wirtschaftsbetrieben und den dort lebenden Menschen eine entsprechende Landschaftsleitplanung ausgearbeitet worden wäre, die heute einen integralen Bestandteil der regionalen Raumordungspolitik darstelle.
Ausblick
Die Vorträge und anschliessende Diskussion haben verdeutlicht, dass zwar noch keineswegs generell, aber im Einzelfall durchaus ermutigende Zeichen einer Tendenz zur nachhaltigeren Wirtschaftsentwicklung im Alpenraum erkennbar sind. Flexibilität und Konzentration auf Marktnischen einerseits und Achtung vor den Grenzen der Nutzung unseres alpinen Naturkapitals andererseits sind als wichtige Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung einer ökonomisch, ökologisch und sozial ausgewogenen Zukunftsperspektive im Alpenraum angesprochen worden.
Anlage 1