Im Januar 2001
Ian C. Meerkamp van Embden
Umfrage zum Thema
|
Konsequenzen einer Klimaänderung zum Nulltarif? Der bis Ende Januar 2001 noch amtierende US- Präsident Bill Clinton hat kürzlich in einer über das Internet ausgestrahlten Erklärung eindringlich auf das Ergebnis amerikanischer Studien zur globalen Klimaentwicklung hingewiesen. Demzufolge erwarten die Wissenschaftler bei steigenden Emissionen von Treibhausgasen in den nächsten 100 Jahren einen weltweiten Temperaturanstieg von 5 bis 9 °C.
Immer schon gab es seit der letzten Eiszeit vor 15 000 Jahren Temperaturschwankungen, aber wohl noch nie in dieser Grössenordnung. Die derzeit am Pol beobachteten Schmelzwassermengen übertreffen nach Auffassung der Klimaforscher die berechneten Maximalwerte während der letzten 50 Millionen Jahre. Parallel zur Temperaturerhöhung verzeichnen die Meteorologen in Westeuropa steigende Niederschlagsmengen, die in den Alpen während der Wintermonate verstärkt als Regen statt Schnee niedergehen. Als Folge steigt die Permafrost-Grenze im Gebirge, und der rasche Abluss der Niederschlagsmengen erhöht das Risiko der Bergrutsche und Murenabgänge ebenso wie die Hochwassergefahr in den Tälern. Dessen unbeschadet wird weiterhin Bergwald abgeholzt, um immer mehr Raum für den Wintersporttourismus zu schaffen, werden immer neue Pisten angelegt, werden dörfliche Baugebiete ständig erweitert, werden immer mehr Zweitwohnungen errichtet, werden immer mehr Berg- und Seilbahnen gebaut. Kritische Anmerkungen zu solchen Entwicklungen sind keineswegs Ausdruck einer latenten Wirtschaftsfeindlichkeit. Sie stellen vielmehr das Ergebnis einer nüchternen Abwägung des mit solchen Eingriffen verbundenen Nutzens und Risikos dar. Die steigende Schneefalllinie beeinträchtigt zusehends die ohnehin schon schwierige Wirtschaftslage der betroffenen Gemeinden in Höhenlagen unter 1500 m- Allzu häufig entsteht der Eindruck, dass politische Entscheidungsträger sich einer Auseinandersetzung mit dieser Entwicklung höchst ungern stellen und eine ernsthafte Diskussion über erforderliche Konsequenzen scheuen. Welche Auswirkungen hat eine Klimaänderung auf den alpinen Tourismus, auf die Land- und Forstwirtschaft, auf den Wasserhaushalt und die Bodenstruktur? Erfreuliche Ausnahmen mögen die Regel bestätigen: Die Effizienz des Katastrophenmanagements hat sich in den Bergregionen erkennbar erhöht, neue und leistungsfähige Lawinenwarndienste sind eingerichtet worden, die Zurückhaltung politischer Instanzen gegenüber einer noch weitergehenden "Erschliessung" der Alpen beginnt zu wachsen, Alpenländer wie die Schweiz und Österreich sind beim Einsatz regenerierbarer Energiequellen weltweit führend. Dennoch: Die Forderung, Fragen der Klimaentwicklung und deren Folgen in den Mittelpunkt einer konsequenten und vorausschauenden Politik zu stellen und nachhaltig wirksame Strategien zu entwickeln, bleibt notwendiger und aktueller denn je. Eine solche Politik gibt es nicht zum Nulltrarif! Das ALPENFORUM wird diese Thematik mit Spitzenfachleuten im Rahmen einer öffentlichen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung am 25. Mai 2001 in Murau (Steiermark) behandeln (siehe hierzu Programmvorausschau für 2001) und die Ergebnisse sowohl im Internet als auch in der Schriftenreihe ALPENFORUM Nr 4 veröffentlichen. |