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Management und Lebenskunst Anlässlich der österreichischen Beteiligung an der EXPO 2000 haben deutsche und österreichische Spitzenvertreter der Wirtschaft in einer in Hannover stattfindenden Dialogveranstaltung zum Thema „Management und Lebenskunst“ diskutiert. Österreich hat im Rahmen dieser Einladung den Leitbegriff „Lebenskunst“ in einem umfassend verstandenen Sinn gewählt: „Naturnahe Lebensformen, innovative Beiträge zu einem nachhaltigen Wirtschaften und kreativer, sorgsamer Umgang mit den Ressourcen“ Im nachfolgenden, gekürzten Beitrag setzt sich das ALPENFORUM mit einigen Aspekten dieser Thematik unter besonderer Berücksichtigung der Wirtschaftsentwicklung im Alpenraum auseinander. Die Überlegungen sind als Ermutigung der Wirtschaftsvertreter zu verstehen, sich gerade im Zeitalter von Globalisierung und Shareholder Value zur umfassenden Leitvorstellung einer Nachhaltigen Entwicklung zu bekennen und diese in die Praxis umzusetzen.1. Was heisst "nachhaltig"? Während für das Unternehmensmanagement in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen die zentrale Bedeutung ökonomischer Aspekte im Hinblick auf eine "Nachhaltige Entwicklung" (Sustainabie Development unstrittig erscheint, ist dies bei ökologischen und sozialen Fragen keineswegs immer gewährleistet. Es stimmt nachdenklich, dass 8 (!) Jahre nach Rio neueren Untersuchungen zufolge nur 15 % der deutschen Bevölkerung vom Begriff einer Nachhaltigen Entwicklung gehört hat bzw. diesen Begriff einigermassen richtig einordnen kann. Selbst mancher Wirtschaftsmanager wittert hinter dieser Leitvorstellung immer noch wirtschaftskritische Forderungen ökologischer Utopisten. Haben wir es hier mit einer mangelhaften Fähigkeit unser wirtschaftlichen und politischen Führung zu tun, dem Bürger die Bedeutung dieses Begriffes sowohl sprachlich als auch inhaltlich nahe zu bringen? Und welche Folgerungen sind hieraus für ein verantwortungsbewusst handelndes Unternehmensmanagement zu ziehen? 2. Strukturpolitik und Lebenskunst Ein Management mit positiver Einstellung zur "Lebenskunst" hat wohl auch etwas damit zu tun, im eigenen, regionalen Einflussbereich einen Beitrag zu einer gesunden, ökologisch verträglichen Wirtschaftsentwicklung und einem intakten Sozialklima zu leisten. Es ist allerdings eher die Regel, dass gerade in jenen Regionen, in denen solche nachhaltigen Wirtschaftsimpulse besonders dringend nötig wären, die Voraussetzungen dafür fehlen und Standortentscheidungen tendenziell zu Gunsten bevorzugter Lagen mit entsprechend bereits entwickelter Infrastruktur gefällt werden. Dies ist nicht zuletzt einer der Gründe für eine zunehmende Wirtschaftkonzentration auf urbane Ballungsgebiete. Gerade in Österreich mit seinem hohen Alpenanteil stellt die massive (inneralpine) Urbanisierungstendenz eine Herausforderung an eine zukunftsorientierte Strukturpolitik. Sie wirft im Hinblick auf eine erwünschte Nachhaltigkeit der Entwicklung kritische Fragen auf. Allzu häufig wird übersehen, dass verkrustete, durch Abwanderung ausblutende Regionen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial zu Grunde gehen können, wofür es im Alpenraum gravierende Bespiele zur Genüge gibt. Die Praxis zeigt, dass sinnvolle Wirtschafts- und Strukturinitiativen zur sozioökonomisch nachhaltigen Belebung strukturschwacher Regionen beitragen können. Dies gilt für Osterreich ebenso wie für Deutschland. Positive Beispiele hierfür sind die Einrichtung von Technologieparks und Kompetenzzentren. So etwa in der Steiermark für den Metall- und Werkstoffbereich an der Montanuniversität Leoben, für Lasertechnologie in Niklasdorf oder für die Holzverarbeitung das Holzcluster mit den Zentren in Murau und Judenburg Zur Strukturpolitik gehört auch eine zukunftsverträgliche Verkehrspolitik, von der wir allerdings noch weit entfernt sind. Die rasant anwachsenden Engpässe beispielsweise im alpinen Transitverkehr unterstreichen die dringende Notwendigkeit, Verkehrsalternativen unter verstärkter Verlagerung der Strasse auf die Schiene durchzusetzen. Hier gibt es, wenn auch erst vereinzelt, erfolgreiche Beispiele unternehmerischer Innovation auf der Grundlage des Huckepack- oder des kombinierten Konzeptes im Gütertransport. 3. Rolle des Mittelstandes und der Dienstleistungswirtschaft Sowohl in Deutschland als auch in Österreich hat der Dienstleistungssektor die wirtschaftliche Bedeutung der "konventionellen" primären und sekundären Wirtschaftsbereiche ( Land- und Forstwirtschaft, gewerbliche Produktion) längst überholt. In Österreich spielt im Dienstleistungssektor der Tourismus eine überragende Rolle. Eine weitere Expansion stösst dabei allerdings an klar erkennbare Grenzen, sofern ein qualitativ orientiertes Wachstum und die Erhaltung einer intakten Landschaft und des kostbaren Naturkapitals angestrebt wird. Gegen diesen Hintergrund gesehen kommt vor allem der Entwicklung der mittelständischen Wirtschaft und hier insbesondere dem privaten und öffentlichen Dienstleistungsbereich ausserhalb des reinen Tourismusbetriebes wachsende Bedeutung zu. Beispiele für sinnvolle Initiativen sind die Einführung und der Ausbau moderner Dienstleistungssysteme im Bereich etwa der Telekommunikation, eine stärkere Dezentralisierung und Verlagerung von Verwaltungsinstitutionen, Forschungseinrichtungen oder Ausbildungszentren aus grosstädtischen Ballungsräumen in strukturschwächere Regionen oder die dortige Ansiedlung von mittelständischen Betrieben mit hochqualifiziertem know how im Marktnischenbereich. Die erfolgreiche Umsetzung solcher Initiativen ist allerdings nur möglich, wenn die staatlichen Rahmenbedingungen und die strukturpolitischen Vorgaben auf Landes- und Kommunalebene einen solchen Einstieg auch ökonomisch rechtfertigen. Solche Überlegungen stehen mit einer Globalisierung der Wirtschaft nicht im Widerspruch. Mittelständische Betriebsstrukturen können von den Chancen einer Marktglobaliserung und Kommunikationsvernetzung genau so profitieren wie Grosskonzerne und deren Fusionsstrukturen. Eine Globalisierung der Wirtschaft und deren regional verantwortungsbewusste lmplementierung können sich vielmehr sinnvoll ergänzen. Keinesfalls übersehen werden darf der Umstand, dass in unseren Industrienationen die mittelständische Wirtschaft noch immer das eigentliche Rückgrat der ökonomischen Stabilität darstellt! 4. Tourismusmanagement und Lebenskunst Erkennbare Fehlentwicklungen werden am Beispiel jener Tourismusstrategien im Alpenraum erkennbar, die immer noch auf "mehr' statt auf "besser" setzen. Das damit ansteigende Konfliktpotential zwischen "Nutzen" und "Schützen" der tangierten Bergregionen ist unübersehbar. Als besonders kontraproduktiv erweist sich hierbei die mancherorts ungebrochene Forcierung des Massentourismus durch eine leider nur selten zukunftsweisende Allianz bestimmter Finanzpromotoren und Kommunalstrategen, und dies keineswegs immer im Konsens mit der betroffenen Bevölkerung, die ihrerseits mit den fragwürdigen Folgen solcher Entwicklungen konfrontiert wird: So äusserte sich in einer 1998 vom ALPENFORUM durchgeführten, orientierenden Befragung von Bewohnern innerhalb und ausserhalb des Alpenraumes 98 % der inneralpin Befragten eindeutig gegen eine Förderung des alpinen Massentourismus. Viele Tourismusmanager setzen unbeschadet solcher Erkenntnisse unverdrossen auf eine Steigerung des Tourismusstromes durch Forcierung von "Mega"- Events, überdimensionalen Erlebniswelten, Happenings mit Funpark- Charakter und immer neue, immer teurere "Erschliessungen" bis in die allerletzten noch unberührten Winkel der Alpen hinein. Allein in Tirol laufen derzeit nicht weniger als elf grosse Seilbahnprojekte zur "Neu- Erschliessung" solcher Hochgebirgsregionen, in der Schweiz über dreissig. Andererseits können immer weniger Tourismusorte kostenmässig dem daraus resultierenden Konkurenzdruck ohne massive Subvention standhalten. So müsste manches Zentrum mit einseitig forciertem Wintersport - betriebswirtschaftlich gesehen - den Betrieb eigentlich einstellen. Obwohl fast alle Tourismusmanager und Erschliessungspromotoren "sanfte" Tourismuskonzepte und ein innovatives, "ganzheitliches" und ganzjähriges Freizeitangebot beschwören, sieht die Realität anders aus. Eine eher am Leitbild der Nachhaltigkeit orientierte Strategie in weiten Teilen des Alpenraumes beginnt allenfalls punktuell Fuss zu fassen und stellt nicht die Regel, sondern die Ausnahme dar. Wenn von Management und Lebenskunst die Rede ist, dann gäbe es gerade im Bereich zukunftsweisender Tourismusstrategien für das Wirtschaftsmanagement ein breites Feld konstruktiver Möglichkeiten, zur Umsetzung erforderlicher Kurskorrekturen beizutragen. 5. Soziokultureller Einfluss In Deutschland und Österreich findet der Gedanke der "Lebenskunst" in der Praxis am ehesten im soziokulturellem Bereich einen lebendigen Ausdruck. Dies zeigt sich in der enorm grossen Zahl ideell orientierter Vereine etwa auf sportlichem, kulturellem und künstlerischem Gebiet, in der Pflege und Erneuerung des Brauchtums, in zahllosen Initiativen etwa im Bereich der Natur- und Geisteswissenschaften, des Umwelt- und Naturschutzes , der Altenpflege, des Gesundheits- oder des Rettungsdienstes. Der grösste Teil dieser Aktivitäten ist nur durch den unbezahlten, ehrenamtlichen Einsatz vieler Persönlichkeiten aus allen Schichten der Bevölkerung möglich, die ihre Arbeit vielfach unter erheblichen Opfern an Zeit und Geld leisten. Es zeigt sich allderings, dass es in unserer heutigen Gesellschaft immer schwerer wird, Menschen für solche ehrenamtliche Tätigkeiten zu gewinnen, und zwar vor allem dann, wenn damit auch noch die Übernahme persönlicher Verantwortung verbunden ist. Um nochmals auf die bereits erwähnte Umfrage des Alpenforums zurückzugreifen: nach Meinung vieler Befragten scheitert ein ehrenamtliches Engagement nicht zuletzt daran, dass die Betroffenen nicht nur die ehrenamtliche Arbeit leisten, sondern zusätzlich im Rahmen ihrer unbezahlten Tätigkeit auch noch für Reise- und Unterkunftskosten oder andere Ausgaben aus eigener Tasche aufkommen sollen. Was aber würde geschehen, wenn die bereits erkennbare Tendenz anhält und immer weniger Freiwillige für eine ehrenamtliche Tätigkeit zur Verfügung stehen? Mit Sicherheit würden dann vitale Dienstleistungsbereiche unserer Gesellschaft kollabieren. Auch dieses Beispiel soll verdeutlichen, welche vielfältigen Chancen das unternehmerische Management wahrnehmen kann, um sich "nachhaltig" mit gesellschaftspolitischen Fragen konkret auseinander zu setzen. Gerade aus einer wirtschaftlichen Führungsrolle heraus kann eine solchermassen verstandene "Lebenskunst" sinnvoll eingebracht werden.
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