Murtaler Zeitung, 24. Mai 1997

Alpenforum regt Gründung einer
"
Europäischen Akademie
für
Informatik, Telekommunikation und M
ultimedia"
an


"Telekommunikation - Chance für den Alpenraum". V. l. n. r.: Dr. Stephan Bauer, Dr. Eva König, Landesrat Dipl.-Ing. Herbert Paierl, Präsident Dr. Dipl.-Ing. Ian Meerkamp van Embden, Landesbaudirektorrre Hofrat Dipl.-Ing. Gunther Hasewend und Dr. Hagen Lindner. Foto Wallner

Viele junge Menschen sehen keine Möglichkeit mehr, sich in der Heimatregion in den ursprünglichen Wirtschaftszweigen einen ausreichenden Lebensunterhalt erarbeiten zu können. Aus den ländlichen Gebieten abwandern? Dies soll verhindert werden. Es gilt, neue Berufschancen zu ergreifen. Eine Chance für den Alpenraum bedeutet die Telekommunikation. Neue Berufsbilder entstehen. Die neuen Berufe können auch in entlegenen Gegenden ausgeübt werden vorausgesetzt, man ist entsprechend vernetzt und mit der modernen Computertechnik vertraut.

Mit den Chancen für den Alpenraum beschäftigte sich eine Vortragsveranstaltung am 15. Mai im Hotel Brauhaus in Murau, zu der das Alpenforum und die Stmk. Landesregierung eingeladen hatten. Das Alpenforum ist ein internationaler Verein zur Förderung alpenländischer Interessen und hat seinen Sitz in St. Georgen ob Murau. Präsident ist Dr.-Dipl.-Ing. Chem. Ian Meerkamp van Embden aus Deutschland, Vizepräsident; LAbg. a. D. Dir. Hermann Ritzinger aus Murau.

Präsident Dr. Meerkamp van Embden wies in seinem Einleitungsreferat auf die gewaltige Entwicklung des Weltmarktes für Kommunikationsleistungen hin. Auch der Alpenraum kann Anteil an dieser zukunftsträchtigen Entwicklung nehmen. Von höchster Priorität sind Ausbildung und Weiterbildung.

Dr. Meerkamp van Embden: "Das Alpenforum fordert die Gründung einer Europäischen Akademie für Informatik, Telekommunikation und Multimedia in der Steiermark. Träger dieser Institution sollen die Europäische Union, die Republik Österreich und das Land Steiermark sein. Das Land Steiermark braucht eine Institution dieser Art, wenn es im internationalen Innovationsprozeß regional eine Chance haben will. Eine solche Aus- und Fortbildungsakademie im Rang einer Fachhochschule, ausgestattet mit hochqualizierten Lehrkräften, ist weitgehend standortunabhängig. Persönlich würde ich den Standort Murau begrüßen, aber andere Standortalternativen sind ebenso denkbar, beispielsweise Leoben oder Graz".

Als weiteren wichtigen Anwendungsbereich der Telekommunikation nannte Meerkamp van Embden die Telemedizin. Für das LKH Stolzalpe, der größten orthopädischen Klinik Österreichs, den größten Arbeitgeber im Bezirk Murau, wäre die Einführung der modernen Telemedizin ein weiterer Schritt in die Zukunft, meinte der Präsident. "So könnte etwa eine schnelle und hochqualifizierte Übertragung medizinischen Bildmaterials entscheidende Vorteile bringen".

Zum Thema Telearbeit, sagte Dr. Meerkamp van Embden, "die Vorteile überwiegen zwar, es könne jedoch nicht jede Tätigkeit eines Betriebes sinnvoll ausgelagert werden".

Kritisch äußerte er sich zum Internet: "Es ist derzeit in einem chaotischen Zustand. Nichtssagende Informationen, schlecht strukturiert".

Wirtschaftslandesrat Dipl.Ing. Herbert Paierl betonte, seitens des Landes sei man sehr bestrebt, Projekte der Telekommunikation finanziell zu unterstützen. U. a. verwies er auf das Projekt "Murau online'. Allgemein gelte es, die Telekommunikations-Infrastruktur in der Steiermark zu verbessern und Nachteile gegenüber Wien auszugleichen.
Dr. Stephan Bauer, Geschäftsführer der TiKom, Innsbruck, erläuterte die "Telekommunikationsvision Tirol".
Landesbaudirektor Hofrat Dipl.-Ing. Gunther Hasewend schilderte die Bedeutung der Telekommunikation für ländliche Regionen anhand einiger Beispiele: Die Vernetzung südsteirischer Bauern mache es möglich, Spezialitäten für einen Geschenkkorb per Computer innerhalb kürzester Zeit anzufragen, zusammenzustellen und zu bestellen.
Außerdem hob Hofrat Hasewend die von der Fa. Kaltenegger im "Moasterhaus" am Salzstiegl angebotenen Computer-Ferien für Jugendliche als dem Trend der Zeit angepaßt hervor.
Dr. Eva König, Telekommunikationsbeauftragte für Gesundheitsressort in der Stmk. Landesregierung, gab einen Blick in ihren Arbeitsbereich. "Technisch ist heute fast möglich, vieles scheitert Datenschutz". Darauf verwies auch der Jurist Dr. Hagen Lindner von der Bezirkshauptmannschaft Murau.
Interessante Diskussionsbeiträge lieferten u. a. Baumeister Ing. Paschek, Bundesinnungsmeister Gabriel, Zechner aus Neumarkt und die Professoren Dr. Hasiba und Dr. Klöpffer. Resümee des Abends: der Bezirk Murau soll und muss alle Innovationsmöglichkeiten wahrnehmen!

NORBERT WALLNER


An der Diskussion beteiligte sich auch Gabriel Zechner aus Neumarkt, der Bundes- und Landesinnungsmeister der Schuhmacher. Sitzend, im Vordergrund LAbg. a. D. Dir. Hermann Ritzinger, Vizepräsident des Alpenforums.


Präsident des Alpenforums ist Dr. Dipl.-Ing. Ian Meerkam van Embden. In seinem brillanten Einleitungsreferat gab er einen Überblick über die Entwicklung der Telekommunikation und zeigte den Nachholbedarf, aber auch die Chancen für den Alpenraum. Fotos Wallner