Nachhaltiger Sommertourismus in der Praxis
ERFOLGREICHE PROJEKTVORHABEN IM ALPENRAUM

Begrüßung und Einführung in die Thematik
Ian C. Meerkamp van Embden

Verehrte Gäste, liebe Freunde das ALPENFORUM,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

im Namen des ALPENFORUM und im Namen unserer Kooperationspartner, dem Ökoinstitut Berlin, Darmstadt, Freiburg, sowie dem Tourismusverband Murau- Ranten-Stolzalpe, begrüße ich Sie sehr herzlich zu dieser Konferenz. Sie ist dem Internationalen Jahr der Berge 2002 sowie dem Internationalen Jahr des Ökotourismus 2002 gewidmet.

Dieses von den Vereinten Nationen proklamierte Gedenkjahr soll über den Charakter normaler Veranstaltungen und Festfeiern hinaus einen inhaltlichen Schub in Richtung einer Entwicklung unserer sensiblen Bergökosystem und eines entsprechenden, nachhaltiger orientierten Tourismus vermitteln. Wir haben deshalb hierfür nicht die Form einer öffentlichen Abendveranstaltung gewählt, sondern die Form einer Konferenz, in der ausgewiesene Fachleute ihr Wissen und ihre Erfahrungen austauschen.

Ich freue mich ganz besonders, dass wir für diese Konferenz das Ökoinstitut Berlin-Darmstadt-Freiburg und den hiesigen Tourismusverband Murau-Stolzalpe Ranten als kompetente Kooperationspartner gewinnen konnten. Beiden sei auch an dieser Stelle für die hervorragende Unterstützung bei der Vorbereitung und Ausgestaltung dieser Veranstaltung sehr herzlich gedankt! Meine Damen und Herren, wir haben das Thema Nachhaltiger Sommertourismus gewählt, weil mancherorts in unseren Bergregionen die Chancen eines wirtschaftlich gesunden und umweltverträglichen Sommertourismus nur unzureichend erkannt und vielfach eher stiefmütterlich genutzt werden.

1. Was heißt nachhaltig?
Wie jede nachhaltige Entwicklung umfasst auch nachhaltiger Tourismus drei eng zusammenhängende Aspekte: Den Umweltaspekt, den soziokulturellen Aspekt, und den ökonomischen Aspekt. Die Forderung einer Nachhaltigkeit setzt Dauerhaftigkeit voraus. Das ist nur bei sinnvoller Nutzung der verfügbaren Ressourcen möglich, das heißt Minimierung der ökologischen Beeinträchtigung und Erhalt der biologischen Vielfalt und des Naturkapitals einerseits, eine gesunde soziale und kulturelle Entfaltungsmöglichkeit der Bevölkerung und ihrer wirtschaftlichen Lebensgrundlage andererseits.


Landtagsabgeordneter Bacher


Hofrat Dr. Schnabel


Tourismusobmann Hinterschweiger,
Kooperationspartner des ALPENFORUM

Für den Ökotourismus gilt ähnliches. Obwohl es bereits zahlreiche, z. T. deutlich unterschiedliche Definitionen hierfür gibt, weisen sie alle folgende, grundsätzliche Übereinstimmung auf: Ökotourismus soll

  • naturbezogen
  • umwelt-, sozial- und wirtschaftsverträglich
  • nachhaltig sein und das Umfeld, bzw. spezifische, regionale Gegebenheiten berücksichtigen

Eine uneingeschränkt gültige, wissenschaftlich schlüssige Antwort auf die Frage, wann eine Entwicklung nachhaltig ist, wird es allerdings wohl nie geben. Vielmehr ist dies eine Bewertungsfrage, die sich an bestimmten Leitindikatoren orientiert, deren Gewichtung einer gesellschaftlichen Abwägung bedarf. Das verdeutlicht, warum in solchen Fragen die Mitwirkung der regional ansässigen Bevölkerung so wichtig ist. Das Ergebnis kann von Region zu Region durchaus unterschiedlich ausfallen. Herr Dr. Baumgartner wird in seinem einführenden Impulsreferat auf diese Thematik noch näher eingehen und Bewertungsmöglichkeiten vorlegen.

Eines steht allerdings fest: Eine chronische Übernutzung des Naturkapitals in einer bestimmten Region, sei es als Folge einer mangelhaften Raumordnung oder einer bedenkenlosen Erschließung noch verfügbarer Naturreserven, ist für jedes Konzept einer nachhaltigen Tourismusentwicklung tödlich.

Hier stellt sich ganz pragmatisch die Frage nach der Belastbarkeit einer Region durch Tourismus, das, was im angelsächsischen Sprachgebrauch als "Carrying Capacity", also tragbare Kapazität, bezeichnet wird.

"How much is too much?" Wieviel ist zuviel? Diese Frage wird praktisch weltweit in touristischen Destinationen diskutiert, und in den z. T. noch wenig erschlossenen Regionen der Entwicklungsländer möglicherweise noch intensiver als bei uns. Robert Blair, der Direktor des kürzlich gegründeten Mountain Studies Institute in Silverton, Colorado, hat mir kürzlich in einem e- mail geschrieben: "Eine unserer vordringlichsten langfristigen Aufgaben wird darin bestehen, die Grenzen touristischer Belastbarkeit zu definieren". Die jüngste Konferenz zum Thema Gebirgsmanagement hat sich in Banff, Alaska, praktisch ausschließlich mit dieser Frage befasst.

2. Strategische Zielvorgaben im (Sommer)Tourismus
Es kann nicht überraschen, dass Tourismusmanager, ebenso wie Raumplaner oder andere Entscheidungsträger, klare strategische Zielvorgaben im Tourismus anstreben. Weitgehend unbestritten ist die Notwendigkeit, diese Strategien an der sozialen und wirtschaftlichen Situation der Region und der erforderlichen Erhaltung des Naturkapitals zu orientieren. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass bei der Verabschiedung bestimmter Vorhaben

  • es sehr häufig an der erforderlichen Kostentransparenz hapert,
  • die negativen Folgen ökologischer Schäden nur unzureichend Berücksichtigung finden
  • die einheimische Bevölkerung vielfach nicht im erforderlichen Umfang in die Entscheidungsfindung einbezogen wird.

Wir haben im ALPENFORUM anlässlich der Verabschiedung unserer Thesen zur sozialverträglichen Entwicklung des Alpenraums bereits vor 3 Jahren innovative, dynamische Tourismusangebote gefordert, die dem ganz persönlichen, individuellen Bedürfnis aktiver, kompetenzorientierter Gäste entgegenkommen. Die damaligen Überlegungen sind, so meine ich, heute aktueller denn je zuvor. Es darf allerdings nicht übersehen werden, dass die Forderung einer Nachhaltigen Wirkung solcher Konzepte mit der schnelllebigen Entwicklung unserer Zeit und den rasch wechselnden äußeren Bedingungen im Widerspruch zur Nachhaltigkeit stehen kann. Vor Zielkonflikten, die sich hieraus ergeben, sollte man jedoch meines Erachtens keinesfalls den Kopf in den Sand stecken. Ich denke, dass Herr Eltner als Experte und aus Sicht des von ihm vertretenen Steiermärkischen Tourismusverbandes hierauf eingehen und ergänzende oder alternative Optionen zur Diskussion stellen wird, wie beispielsweise der Tourismus in den Alpenstädten oder die im Alpenraum florierenden Kongressaktivitäten.

Aber egal, Welche Strategie man wählt und wie man es auch anstellt, Erfolge stellen sich nicht einfach von selbst ein. Es bedarf für jede touristische Konzeption vor allem im Hinblick gerade auf den Sommertourismus einer entsprechenden Werbung unter Einsatz moderner Kommunikations- und Informationsmethoden. Ausdrücklich sei hier das Internet genannt, dass im modernen Online-Tourismusmanagement zukünftig eine immer größere Rolle spielen wird. Hier sehe ich noch ganz große Defizite, über die wir im Rahmen dieser Konferenz diskutieren sollten. In den Internet-Präsentationen vieler Regionen im Alpenraum vermisse ich vor allem konkrete und aktuelle Informationen, so etwa aktive Programme zur umweltverträglichen Freizeitgestaltung, sportliche oder kulturelle Initiativen, spezielle Serviceleistungen der Hotellerie oder innovative Mobilitätsangebote.

Auf einem weiteren. entscheidenden Umstand möchte ich außerdem kurz eingehen, nämlich die Altersstruktur unserer Bevölkerung. Sie ist für jede Art von touristischem Konzept, vor allem im Hinblick auf strategisch erforderliche Kurskorrekturen, einen außerordentlich starken Einfluß. Wir dürfen einfach nicht vergessen, dass in den Industrienationen Europas die Lebenserwartung enorm angestiegen ist und weiter ansteigt. Bald ist jeder dritte Bürger über 60 Jahre alt. Der jüngste Bevölkerungsbericht der deutschen Bundesregierung geht davon aus, dass in naher Zukunft bereits 11 % der Menschen über 80 sein werden.

Diese Feststellungen haben für jede Art von Tourismusstrategie ganz entscheidende Bedeutung, und dies ganz besonders für einen nachhaltig orientierten Sommertourismus!

Eine neuere Untersuchung über das Alter der Sommergäste im Zillertal ergab

bis 30 Jahre 5 %
31-40 Jahre3 7 %
41-60 Jahre 50 %
älter 60 Jahre 38 %

Das heißt, dass nur 12 % der befragten Sommergäste jünger als 41 waren, aber 88 % älter.

Auch wenn dieses Ergebnis nicht repräsentativ sein muss, so zeigt es doch, wie fragwürdig Sommertourismuskonzepte sind, die sich überwiegend oder gar ausschließlich auf junge Zielgruppen konzentrieren. Vielmehr besteht die Aufgabe nicht zuletzt darin, das als richtig erkannte strategische Konzept zur touristischen Entwicklung mit der ‚Auswahl der bevorzugten touristischen Zielgruppen in Einklang zu bringen.

Ebenso wenig Sinn macht es meines Erachtens, strategische Konzepte zu entwickeln, bei denen ausschließlich der Tourismus selbst zur Diskussion steht. Dies hätte die Gefahr einer einseitigen Abhängigkeit zur Folge. Deshalb sind strategisch wichtige Bereiche außerhalb des reinen Tourismus genau so als Bestandteil der Gesamtstrategie zu aktivieren, namentlich der Mittelstand, das Handwerk, spezielle Dienstleistungen, das private oder öffentliche Infrastrukturangebot und sinnvolle Mobilitätskonzepte für die Region. Der aus Murau stammende Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Dieter Kramer, jetzt an der Universität Stuttgart-Hohenheim, hat es in einem seiner scharfsinnigen Essays einmal auf den Punkt gebracht: "Nur wenn es in der Region noch etwas anderes gibt als den Tourismus, dann ist dieser erträglich für Mensch und Umwelt!"

3. Tourismus weltweit
Nach dem jüngsten Bericht der UNEP ist der Tourismus im Jahre 2000 global um 7,3 % gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Der Beitrag des Tourismus am Bruttoinlandprodukt wird dabei weltweit auf 10- 12% beziffert. Europa hat davon einen hohen Marktanteil von 58 %, doch ist die Zuwachsrate mit 5,9 % deutlich geringer. Der Anteil des Alpenraumes am Welttourismus wird nach Angaben der CIPRA auf ca. 10 % des touristischen weltweiten Gesamtaufkommens geschätzt. Die Probleme und deren Lösungsversuche in Gebirgsregionen sehen sich dabei häufig sehr ähnlich, was auf Grund der weltweiten Berichterstattung im Internationalen Jahr der Berge besonders deutlich geworden ist. Hierzu einige Beispiele aus Reports der letzten Monate:

  • Central Apalachian Trail, Virginia, USA
    Eine waldwirtschaftlich übernutzte und stark verwüsteten Waldregion soll durch eine Kombination von Ökotourismus und kulturgeschichtlicher Tradition touristisch saniert werden.
  • Cape Folded Mountains, Südafrika
    Eine südafrikanische Bergregion mit hoher Artenvielfalt soll durch behutsame Besucherlenkung vor unkontrollierter Zersiedelung, Naturzerstörung und touristischer Übernutzung bewahrt werden.
  • Durango Mountain Institute, Colorado, USA
    Ziel der dortigen Region ist die Erhaltung der berühmten Silverton Gold Mine als nationales und kulturelles Erbe durch Öffnung der San Juan Berge für einen nachhaltigen Tourismus
  • Hua Hum River, Lanin National Park, Argentinien
    Entwicklung eines nachhaltig orientierten Tourismusmanagements für Freizeit und Erholung in der Gebirgsregion des Nationalparks
  • Nord - Karelische Wälder, Finnland
    Nutzung und handwerkliche Verarbeitung der regionalen Holzressourcen als Grundlage für einen freizeit- und kulturell orientierten Ökotourismus im waldreichen Nordkarelien. Hier sind verblüffende Parallelen zum Konzept der Holzwelt Murau erkennbar!
  • Biosphärenpark Ukraine- Polen- CSSR
    Dieses von der Universität Jagellonia in Krakau, Polen, entwickelte Konzept eines transnationalen Biosphärenparks in den Karpaten verdeutlicht interessante Möglichkeiten einer gezielten Strategie zur Tourismusförderung. Auf die besondere Bedeutung der Biosphärenparks komme ich noch zurück.

4. Touristische Entwicklung in Alpenländern
Der österreichischen Parlamentskorrespondenz vom Oktober 2001 ist zu entnehmen, dass die pro Kopf-Einnahmen aus dem österreichischem Reiseverkehr 2000 mit jährlich rund 1.500 EUR0 an erster Stelle in Europa und weit über dem EU-Durchschnitt liegen. An zweiter Stelle folgt die Schweiz mit 900 Euro pro Kopf und Jahr. Die Steigerungsraten waren allerdings in der österreichischen Wintersaison doppelt so hoch als in der Sommersaison. Der Marktanteil deutscher Urlauber in Österreich war rückläufig zu Gunsten von Gästen aus Ungarn, Kroatien und Slowenien. Wir stellen also eine deutliche Strukturverschiebung der Herkunftsländer fest. 1999 besuchten 11 Millionen Deutsche den Alpenraum. Deutsche Tourismusfachleute gehen von einer Zunahme von Fernreisen und all-inclusive-Reisen, aber einer Abnahme vom Urlaub deutscher Gäste auf dem Bauernhaus aus. Dieser Trend sollte gerade im Hinblick auf den Sommertourismus im Alpenraum zu denken geben!

Der jüngste Tourismusbericht der deutschen Bundesregierung registriert ein wachsendes Bedürfnis der Gäste nach Ruhe und aktiver Entspannung. Festgestellt wird, dass sich das Urlaubsmotiv "Natur erleben" keineswegs nur auf das Motiv "Wandern" beschränken wird. Vielmehr gilt als sicher, dass sich die Nachfrage nach aktiver Urlaubsgestaltung immer weiter ausdifferenzieren wird. An dieser Stelle sei an eine empirischen Befragung erinnert, die das deutsche Bundesumweltministerium bereits 1997 durchgeführt hat. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass sich gut zweidrittel der Bürger von einer verbauten Landschaft am Urlaubsort abgeschreckt fühlen. Mir scheint diese Erkenntnis insbesondere im Hinblick auf den Sommertourismus besonders wichtig. Wer in den Sommermonaten durch manche unserer Bergregionen in der Schweiz, in Bayern oder Österreich wandert, kann ein Lied davon singen. In einer vielfach verbauten und verschandelten Natur treten die hässlichen Narben einer oft bedenkenlosen Erschließungsmanie - im Winter gnädig durch den Schnee überdeckt - im Sommer umso erschreckender hervor. Wen kann es wundern, dass sich Besucher in einer solchen Landschaft nicht wohlfühlen und die Region fortan meiden? Gerade deshalb wird einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, bei der zukünftigen Gestaltung einer Region die Bevölkerung "bottom up", also von unten nach oben in die Entscheidungsfindung einzubinden. Welche Heimat möchten die Menschen für sich und ihre Kinder?

In diesem Zusammenhang sei nachdrücklich auf das Tourismusprotokoll im Rahmen der Alpenkonvention hingewiesen, welche alle Alpenländer unterschrieben haben. Das Protokoll verpflichtet die Vertragspartner unmissverständlich auf die Leitvorstellung einer nachhaltigen, ökologisch verträglichen Tourismusentwicklung. EINE SOLCHE ENTWICKLUNG, MEINE DAMEN UND HERREN, GIBT ES NICHT ZUM NULLTARIF! Erstaunlich, aber wahr: Eine derart fundamentale Tatsache wird nur zu oft schlicht verdrängt!

5. Nachhaltiger Sommertourismus in der Praxis
Auf praktische Beispiele eines nachhaltigen Sommertourismus werden wir im Verlauf der Konferenz mehrfach zu sprechen kommen. Hier seien lediglich stichwortartig einige Projekte genannt, die in die Praxis umgesetzt und sich bewährt haben.

Ohne den Ausführungen von Andreas Weissen, Karl Fussi, Manfred Pils oder anderen Referenten vorgreifen zu wollen, erwähne ich:

  • Das 1986 ins Leben gerufene Ökomodell Hindelang, das sich mit kommunaler Förderung der ausschließlich extensiven Landwirtschaft und einer touristisch genutzten Pflege der Kulturlandschaft verschrieben hat.
  • Die Käsestrasse Bregenzerwald. In diesem Fall bildet der heimische Käse als traditionelles landwirtschaftliches Produkt die Grundlage für eine zentrale Marketingstrategie. Gleichzeitig ist dies ein gutes Beispiel für die Chancen eines regional verankerten Bildungsurlaubs.
  • Die ebenfalls auf Bildungs- und Aktivurlaub zielenden Erlebniswochen und Mühlenwanderungen im Lesachtal.
  • Das sehr erfolgreich umgesetzte Leitbild "Naturnaher Tourismus" mit dem internationalen Hirten- und SennerInnen- Treffen in Trins i. Tirol, welches im Internationalen Jahr der Berge als einzige Organisation in Österreich den Welttourismuspreis 2002 erhalten hat. Hierüber wird uns Kurt Wallasch, Tourismusobmann in Trins im Gschnitztal, heute berichten.
  • Die Alpenvereinsaktion Virgental für eine sanfte Tourismusentwicklung.
  • Die Initiative "Zukunft mit Zukunft", die in Obergoms im Wallis entwickelte Strategie für eine maßvolle Fremdenverkehrsentwicklung.
  • Das Luzerner Entlebuch, erstes Schweizer Biosphärenreservat, gerühmt wegen seiner landschaftlichen Schönheit und kulturellen Vielfalt.
  • Die erfolgreiche Nationalpark- und Naturparkidee im Gebirge, allen voran der große Nationalpark Hohe Tauern in Österreich, der kleinere Nationalpark Berchtesgaden in Bayern oder neuerdings der Nationalpark Kalkalpen. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang ausdrücklich auch der nahegelegene Naturpark Grebenzen.
  • Die Interessensgemeinschaft autofreier Kur- und Fremdenverkehrsorte in der Schweiz und in Bayern, zu der inzwischen auch berühmte Berg- Orte wie Saas-Fee dazu gestoßen sind.
  • Nicht zu vergessen auch das vom ALPENFORUM unterstützte Konzept der Neuen Holzwelt Murau, auf welches der zuständige Geschäftsführer Karl Fussi in seinem Referat näher eingehen wird.

6. Das besondere Profil touristischer Nachhaltigkeit: Der Biosphärenpark

Ohne die große Bedeutung unserer alpinen Nationalparke und Naturparke im geringsten schmälern zu wollen, möchte ich als weitere Anregung das im Alpenraum immer noch zu wenig bekannte und beachtete Konzept des sogenannten Biosphärenparks ansprechen. Biosphärenparks sind keine Naturschutzgebiete im üblichen Sinn. Vielmehr handelt es sich um ein Konzept zur Entwicklung einer Region, in der die wirtschaftlichen und sozialen Anliegen der Bevölkerung und die Notwendigkeit des Naturschutzes in sinnvoller Weise integriert werden. Nach Angaben des World Network of Biosphere Reserves gab es im April 1996 weltweit bereits 337 Biosphärenparks in 85 Ländern, davon knapp die Hälfte in Entwicklungsländern. Die von der UNESCO 1995 in Sevilla festgelegten Grundsätze für Biosphärenparks fordern eine streng geschützte Kernzone zur Erhaltung der Biodiversität, eine Bufferzone für Ökotourismus, Ausbildung und Erholung, sowie eine breite Übergangszone, in der Landwirtschaft, mittelständisches Gewerbe und ein Netz von privaten und staatlichen Institutionen und Betrieben angesiedelt sind. Alle Beteiligten arbeiten gemeinsam an der Weiterentwicklung des Gesamtgebietes.

Das von mir bereits erwähnte Biosphärenreservat in den Karpaten ist mit den Nationalpartnern Ukraine, Polen und Tschechien das erste trilaterale Biosphärenreservat der Welt und wurde 1998 von der UNESCO als solches anerkannt. Biosphärenparks zielen auf eine Integration von Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus in ländlichen Gebieten und stellen meines Erachtens eine interessante, zukunftsweisende Möglichkeit der ländlichen Regionalentwicklung im Gebirge dar.

Der Gedanke ist jüngst in den österreichischen Alpen erstmals aufgegriffen worden und hat inzwischen zur Entwicklung des Biosphärenpark Grosses Walsertal geführt.

Zu den Zielen dieses inzwischen preisgekrönten Projektes zählen

  • Die Förderung einer gesunden Land- und Forstwirtschaft einschließlich Jagd und Fischerei
  • Eine nachhaltige Bewirtschaftung von Wirtschafts- Schutz -und Bannwäldern · Die Weiterentwicklung und Pflege von Brauchtum und Kultur
  • Die Intensivierung der Ausbildung
  • Die umweltverträgliche Nutzung von Natur und Landschaft für den Tourismus, sowie für Freizeit und Sport

Der Biosphärenpark Großes Walsertal konzentriert sich

  • auf touristische Zielgruppen, welche die Qualitätskriterien des Biosphärenparks schätzen und respektieren
  • auf die Förderung von Gewerbeleistungen, Handwerk und Dienstleistungen · auf die gesicherte Nahversorgung mit Lebensmitteln
  • auf den Absatz heimischer Produkte im Tal
  • und auf sinnvolle Mobilitätskonzepte und Infrastruktureinrichtungen.

Ich könnte mir, meine Damen und Herren, einen Biosphärenpark Oberes Murtal durchaus vorstellen, zumal hierfür geradezu ideale Voraussetzungen gegeben wären.

7. Abschließende Anmerkungen
Nachhaltiger Tourismus einschließlich Ökotourismus, und ganz besonders ein nachhaltiger Sommertourismus, versteht sich zusammengefasst als Symbiose von wirtschaftlicher Entfaltung, Schonung der Natur, Förderung von Brauchtum und Kultur in einer nachhaltig produzierenden Land- und Forstwirtschaft.
Es ist ein Tourismus mit den Menschen, die in der Region wohnen. Innovative Strategien und deren praktische Umsetzung können nicht von staatlichen Subventionen oder externen Promotoren abhängig gemacht werden, sondern erfordern regionale Eigeninitiative. Sie erfordern ebenso die Einbindung der betroffenen Bevölkerung in die Entscheidungsfindung.

Wie das Ökoinstitut Berlin-Darmstadt-Freiburg in seinem Bericht zum Profil des zukünftigen Touristen feststellt, ist dieser "neue" Tourist reiseerfahren und umweltsensibel, erlebt Reisen aber zugleich als selbstverständlich für seinen Lebensstandard. In der Praxis führt dies dazu, dass einerseits zwar vielfach kürzere Reisen unternommen werden, andererseits aber häufiger, und dass selbst bei kürzeren Reisen häufig immer entferntere und möglichst naturbelassene Destinationen gebucht werden.

Der bedeutende Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger hat in seinem Aufsatz über die historische Entwicklung des Tourismus sinngemäß festgestellt, dass der moderne Stadtmensch den Urlaub als Befreiungschance, ja sogar als Flucht aus der Beengung seines häuslichen Umfeldes und der modernen Massen- und Konsumgesellschaft empfindet. Allein schon diese Feststellung bedeutet doch, dass der Glaube mancher Tourismusstrategen an Massenaufkommen und sogenannte Mega- Events vielleicht ganz kurzfristig berechtigt sein mag, mittel- oder gar längerfristig aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ins Leere läuft. Massentourismus, meine Damen und Herren, schafft deutlich mehr Probleme als Lösungen, und dazu bedarf es noch nicht einmal einer ökologischen Begründung.

Konzepte für einen besser und sinnvoller genutzten Sommertourismus sollten die in der Vergangenheit im Alpenraum gesammelten Erfahrungen dieser und anderer Art konsequenter als bislang berücksichtigen!

In diesem Sinn wünsche ich dieser Konferenz Erfolg und den Mut zu neuen Ideen. Ich danke allen Referenten für Ihre Bereitschaft zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch und freue mich auf eine konstruktive, anregende Diskussion.

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Ian C. Meerkamp van Embden promovierte am Chemischen Institut der Universität Freiburg im Breisgau nach Abschluss seines Chemiestudiums an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Nach sechs Jahren Grundlagenforschung im Unilever Konzern wurde er 1959 Mitglied der Geschäftsführung der Schuchardt GmbH und Co KG in München. 1972 übernahm er als Abteilungsdirektor die Leitung der Konzern Chemie Koordination bei der Metallgesellschaft AG in Frankfurt a. M. 1980 wurde er zum stellv. Leiter des Ressorts Technik und Umwelt beim Verband der Chemischen Industrie in Frankfurt berufen und war dort auch nach Eintritt in den Ruhestand Ende 1994 noch weitere 1 ½ Jahre als Senior Advisor des Verbandes tätig. Seit 1996 ist er freiberuflich als Scientific Consultant tätig.

Meerkamp van Embden ist Mitbegründer des internationalen ALPENFORUM und seit 1995 dessen erster Präsident Er war bis 1994 Vorsitzender der Bundesfachkommission Umweltschutz im Wirtschaftsrat und bis 1992 deren Vorstandsmitglied in der Sektion Frankfurt und im Landesverband Hessen. Seit 1985 ist er Mitglied der Bundeskommission Umweltpolitik des Wirtschaftsrates in Bonn und ist auch in weiteren, technisch-wissenschaftlichen Gremien tätig.

Meerkamp van Embden ist Träger der Ehrenplakette sowie der Ludwig-Ehrhard-Medaille des Wirtschaftsrates für Verdienste zur Förderung der sozialen Marktwirtschaft. 1991 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland für Verdienste zur Förderung des Umweltgedankens sowie des Dialogs zwischen den gesellschaftlichen Gruppen verliehen.

Meerkamp van Embden ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu wissenschaftlichen, sowie umwelt- und gesellschaftspolitischen Themen und Herausgeber der Schriftenreihe ALPENFORUM.

 


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