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Das Trinser Modell
Kurt Wallasch
| Hirten und Sennen spielen in der öko-touristischen Erfolgsgeschichte des kleinen Ortes Trins im Gschnitztal eine bedeutende Rolle. Denn kaum eine Tiroler Veranstaltungsreihe der letzten Jahre hat über die Grenzen des Landes hinaus so viel mediales Echo erhalten wie das internationale Hirten- und Sennerforum (Teil des Projektes NATUR & LEBEN), das im kommenden Herbst bereits zum fünften Mal stattfinden wird. |
Empfang im alten Rathaus
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Das originelle völkerverbindende Ereignis überraschte bereits im ersten Jahr mit einem gewaltigen Publikums- und Medieninteresse. Eingebettet in ein gesamt-ökologisches Tourismuskonzept, der sorgfältige, innovative Umgang mit der Natur und der Kultur und die Einbindung der heimischen Bevölkerung bei der Ausarbeitung und Umsetzung des Konzeptes war maßgebend für die Aufnahme von Trins in die Weitelite der ökologischen Tourismusgebiete.
Die Idee des internationalen Hirten- und Sennerforums beruht darauf, ein großes Treffen mit Festcharakter zu veranstalten, wobei Hirten und Sennen aus allen Teilen der Welt ihr kulturelles Erbe präsentieren, miteinander musizieren, kochen, tanzen und feiern, aber eben auch von ihren meist schwierigen Lebensbedingungen erzählen und ihre Arbeitstechniken vorstellen. Um die heimische Bevölkerung dabei so gut wie möglich einzubinden, führte man schon ein paar Monate vorher die Veranstaltungsreihe "Natur kreativ" ein, in deren Rahmen die Trinser zuerst einmal einen Erfahrungs- und Wissensaustausch untereinander pflegten und sich bei Vorträgen über die Besonderheiten ihrer Umwelt und deren schonende Nutzung informierten. Denn auch in einem traditionsbewussten Ort wie Trins geht im Laufe steter Modernisierung viel Wissen um die Zusammenhänge in der Natur verloren. Bis 1995 war der Trinser Tourismus noch in Schwung, der 1.200 Einwohner und 1.200 Gästebetten zählende Ort konnte mit jährlich ungefähr 100.000 Nächtigungen durchaus zufrieden sein. Im Jahr darauf allerdings gingen die Nächtigungen stark zurück und 1997 sanken sie dann auf ein Rekordminus.
Angesichts der touristischen Flaute nahmen sich die Trinser gleich selbst bei der Nase, aber die Analyse ergab, dass es an der Qualität des Angebots nicht liegen konnte. Vielmehr lagen die Ursachen des Rückganges im geänderten Gästeverhalten, in der Altersstruktur der Gäste, in der Globalisierung mit günstigen Flugpreisen, aber natürlich auch in der großen Konkurrenz durch andere Orte in Tirol und überhaupt im Alpenraum, die großteils mit wesentlich mehr Infrastruktur aufwerten konnten. In blinder Panik infrastrukturell aufzurüsten, um das Manko wett zu machen, lag weder im Sinne der Trinser Tourismuspolitik noch wäre das Geld dafür vorhanden gewesen. Obwohl der Hut brannte, war man sich einig, dass man nicht um jeden Preis den modischen Trends eines nächtigungsabhängigen Tourismus folgen, sondern vielmehr einen WertschöpfungsTourismus anpeilen wollte, ausgerichtet sowohl nach ökonomisch als auch ökologisch und soziologisch orientierten Richtlinien. Wie viele andere Tiroler Orte erstellten auch die Trinser ein Leitbild für Qualitätstourismus, man wollte sich als "Familiendorf' profilieren. Ziel war es unter anderem, dabei die Lebensqualität auch für die Trinser selbst zu erhalten und das bislang gut funktionierende Sozialgefüge mit gesicherter Nahversorgung nicht kurzsichtigen Marktstrategien zu opfern.
Kurt Wallasch ist seit 1978 Angehöriger der österreichischen Bundesgendarmerie und befasste sich bis 2001 mit Wirtschaftskriminalität. Seither leitet er eine Spezialeinheit zur Bekämpfung der Kriminalität mit Hilfe elektronischer lnformationstechnologien.
Seit 1997 ist Wallasch Obmann des Tourismusverbandes Trins und leitet das von ihm initiierte Projekt "Natur und Leben".
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