Nachhaltiger Sommertourismus: Erfolgreiche Initiativen und Projekte
Andreas Weissen

Wie misst sich der Erfolg des Sommertourismus? Der Kurdirektor zählt die Nächtigungen, der Ökonom schätzt die durchschnittlichen Ausgaben pro Tag und Gast. Wir nehmen die Zahlen zur Kenntnis. Doch uns interessieren andere Fragen: Was bleibt von all den touristischen Aktivitäten unter dem Strich in der Region zurück? Und wie sieht ein touristisches Angebot aus, das gute Einkommen und attraktive Arbeitsplätze schafft und gleichzeitig die natürlichen Werte respektiert und die landschaftlichen Schönheiten erhält?

In den touristischen Hochburgen - 600 von insgesamt 6000 Alpengemeinden kennen eine touristische Monostruktur - ist die wichtigste Forderung für einen erfolgreichen Sommertourismus, die fortschreitende Landschaftszerstörung durch Überbauung und Erschliessungen für den Skisport endlich zu stoppen. Denn Tourismus ist nicht technokratisch machbar, und Sommergäste haben höhere Ansprüche an die Qualität der Erholungslandschaft als Wintergäste. Im weiteren muss das touristische Angebot "ökologisiert" werden. Insbesondere beim Verkehr in und zu den Ferienregionen sind neue, umwelt- und klimaschonende Mobilitätsangebote dringend nötig. Schliesslich muss die Tourismuswirtschaft endlich einen konkreten Beitrag zur Erhaltung der traditionellen Kulturlandschaften leisten und die Ansprüche der Natur respektieren. Das bedeutet auch, Ruhezonen für die Natur anzuerkennen und einmal ein trendiges und damit flüchtiges Angebot auszulassen.

In den Gemeinden mit geringen touristischen Aktivitäten, aber einer hohen Qualität der Erholungslandschaft, kann der Sommertourismus eine willkommene Ergänzung der wirtschaftlichen Aktivitäten darstellen. Wichtig ist, dass eine Region mit einem "stimmigen" (integrierten) Angebot auftritt, ihre regionale Spezialität pflegt und beim Angebot von Produkten und Dienstleistungen auf höchste Qualität achtet. Die französischen und italienischen regionale Naturparks und die Biosphärenreservate sind vielversprechende Umsetzungsbeispiele solch umfassender Entwicklungskonzepte für periphere, ländliche Räume. Grundlegend ist eine enge Verbindung von Gastgewerbe und (Bio-)Landwirtschaft. Aber auch die Beziehungen zwischen Tourismus zum regionalem Handwerk und zum Gewerbe müssen vielfältig sein. Beispielsweise kann mit der Nutzung von einheimischen, erneuerbaren Energien, z.B. Holz für die Heizungen ein wichtiger Beitrag zur regionalen Wertschöpfung geleistet werden. Auch bei den sogenannten "sanften" touristischen Angeboten ist ein zukunftsfähiges Mobilitätsverhalten unabdingbar.

Andreas Weissen, in Brig im Wallis geboren, studierte Journalistik an der Universität Fribourg und Pädagogik, Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Bem. Beruflich arbeitet Andreas Weissen seit 1990 Teilzeit für den WWF Schweiz, zehn Jahre lang als Regionalkoordinator im deutschsprachigen Wallis, dann als Projekt­ und neuerdings als Programmleiter Alpen in Brig / Zürich.

1989-1991 war er Großrat im Kantonsparlament Wallis und 1991-1996 Stadtrat von Brig-Glis (Ressorts: Polizei, Umwelt, Wald, Landwirtschaft). in der Schweiz präsidierte er zehn Jahre lang die Alpen-Initiative.

Seit Herbst 1995 ist Andreas Weissen Präsident der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA.

Andreas Weissen engagiert sich für die Erhaltung des natürlichen und kulturellen Erbes im Alpenraum. Neben einem langjährigen umweitpolitischen Engagement auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene ist Weissen über das Oberwallis hinaus bekannt als Erzähler traditioneller Sagen.

 

 


Pressestimmen



Zum Seitenanfang