Zusammenfassung der Konferenzergebnisse
Ian C. Meerkamp van Embden

Die im Verlauf dieser Konferenz vorgetragenen Referate und Diskussionsbeiträge vermittelten ein breites, aber auch anschauliches Spektrum relevanter Aspekte zum Thema Tourismus und zum Thema Sommertourismus speziell. In Anbetracht der Komplexität der angesprochenen Fragestellungen war als Fazit der Konferenz so etwas wie ein Königsweg zum Nachhaltigen Sommertourismus nicht zu erwarten. Es gibt, das ist deutlich geworden, kein Patentrezept und keine Einbahnstrasse auf dem Weg zum Erfolg. Andererseits ist eine Fülle wertvoller Erfahrungen und Anregungen eingebracht worden, deren Sortierung, Reflexion und sinnvolle Integration eine aus Sicht des ALPENFORUM wichtige und auch dankbare Aufgabe darstellt. Insbesondere ist deutlich geworden, welche Grundvoraussetzungen beachtet werden müssen, ohne deren Erfüllung jedes Projektvorhaben im Sinne einer nachhaltigen Tourismuskonzeption von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Es bestand unter den Konferenzteilnehmern ein hohes Maß an Konsens, dass jede Art einer konkreten Implementierung einer nachhaltig orientierten Tourismusstrategie namentlich voraussetzt, dass

  • eine solche Strategie bzw. Leitvorstellung Schritt für Schritt erarbeitet werden muss
  • diese Arbeit Jahre in Anspruch nehmen kann · die Konkretisierung von Anfang an und in jeder Phase die Partizipation der Bevölkerung und deren Einbindung in die Entscheidungsfindung voraussetzt
  • die erarbeitete Konzeption den spezifischen Gegebenheiten einer Region gerecht werden muss
  • es für den Begriff eines nachhaltigen Tourismus klar vorgezeichnete Kriterien gibt
  • diese Konzeption nicht im luftleeren Raum, sondern in die regionale Wirtschaft- und Infrastruktur, die sozialen Struktur und kulturelle Tradition passen muss
  • dieser Prozess nicht statischer Natur sein kann, sondern eine dynamische Entwicklung darstellt, in der die Region sich den ständig wandelnden äußeren und inneren Herausforderungen stellen muss.

Es ist mehrfach betont worden, dass sich eine intakte Natur, die Erhaltung der landschaftlichen Schönheit einer Region, der Schutz von Fauna und Flora keineswegs als besonderes "Verdienst" einer touristischen Destination darstellt, sondern von den Gästen als selbstverständliche Grundvoraussetzung während des Aufenthaltes angesehen wird. Andererseits wird eine erkennbare Beeinträchtigung der Umwelt, sei es durch touristische Überbeanspruchung, durch unsensible Erschließungsmaßnahmen oder aus anderen Gründen als abschreckend empfunden. Tritt diese Situation ein, blutet eine solche Region über kurz oder lang aus, die Touristen bleiben fern. Eine solche Region im Alpenraum verödet und stirbt.

An Hand konkreter Erfahrungen ist die Bedeutung einer konstruktiven Kooperation aller "Stakeholder", also der Beteiligten und Betroffenen, von den Teilnehmern der Konferenz immer wieder betont worden. Zu diesen Stakeholder gehören in erster Linie Touristikmanager, Kommunalbehörden, politische Mandatsträger der Region, Hoteliers, Gastronomen, Repräsentanten des Gewerbes oder der Land- und Forstwirtschaft, Dienstleister, und eben auch die Gäste selbst. Fehlt diese Zusammenarbeit, oder wird sie durch die falsche Person am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt unterlaufen, kann auch das beste Konzept eines nachhaltigen Tourismus scheitern. An dieser Erfahrung wird die zentrale Bedeutung einer konsequenten Einbindung aller Beteiligten in den touristischen und regionalen Entwicklungsprozess deutlich.

Kontrovers wurde über die Frage diskutiert, ob eine Art von Gütesiegel oder eine Dachmarke als hilfreich für die touristische Werbung angesehen werden soll oder nicht. Versuche in dieser Richtung , wie etwa das VIABONO- Konzept in Deutschland, stehen erst am Anfang, so dass eine Evaluierung des Erfolges solcher Bemühungen vorerst nicht möglich erscheint.

Bisherige Erfahrungen im Alpenraum lassen die Folgerung zu, dass innovative, sorgfältig über längere Zeiträume aufgebaute und im Konsens mit der Bevölkerung entwickelte Leitbilder für eine Region ein hohes Maß an erfolgreicher Umsetzung sichern können. Nationalparks oder Naturparks, wie etwas der NP Hohe Tauern oder der Naturpark Grebenzen, gehören hierzu, aber ebenso auch Konzepte, die sich an den regionalen Ressourcen oder Produktenorientieren. Beispiele hierfür sind die Käsestrasse im Bregenzerwald, oder die Holzwelt Murau. Aber auch die Einbindung tradierten Brauchtums und kultureller Identität von außen kann zum Erfolg führen. Dies zeigt das gelungene Beispiel des internationalen Hirten- und Sennerforums in Trins. Eine besondere Chance erfolgreicher Entwicklung im Sinne eines nachhaltigen Sommertourismus wird dem Konzept des Biosphärenparks eingeräumt. Das erste, konkrete Beispiel in Österreich ist hierfür der inzwischen von der UNRSCO anerkannte Biosphärenpark Großes Walsertal. Betont wurde, dass es beim Biosphärenpark keineswegs nur um die Frage ökologischer Schutzvorstellungen geht. Vielmehr liegt ein besonderer Schwerpunkt gerade im Bereich der wirtschaftlichen und sozialen Stabilisierung einer Region und der Förderung eines gesunden, nachhaltig orientierten Tourismus.

Zu den Aspekten, die für jede Art regionaler, sinnvoll integrierter Tourismusentwicklung von ausschlaggebender Bedeutung sind, gehört eine vernünftige Raumplanung.
Die immer noch häufig beobachtete Zersiedelung, der Ausbau von immer mehr Zweitwohnungen und Apartmenthäuser für den städtischen Zuzug können die soziale Integration der Menschen unterwandern und in Frage stellen.
Es ist in der Konferenz mehrfach das Gespenst der Abwanderung junger Menschen aus den Alpenregionen und das damit verbundene Absinken der Leistungskraft und Qualifikation in solchen Orten beschworen worden. Eine solche - meist negative - Auslese kann aber nicht durch ersatzweisen Zuzug von außen entschärft werden. Touristische Konzepte, die auf dem Prinzip des Ausbaus ganzer Hüttendörfer oder Appartementagglomerationen basieren mögen vielleicht zu mehr Wohnqualität führen, aber mit Sicherheit nicht zu mehr Lebensqualität in der Region. Für diese Feststellung wurden von den Teilnehmern konkrete Beispiele genannt.
Zu dieser Lebensqualität, die für den Erfolg einer touristischen Konzeption unabdingbar ist, gehört auch die Erhaltung einer ausreichenden, regionalen Infrastruktur, wie beispielsweise Postämter, eine Lebensmittel-Nahversorgung, oder ein sinnvolles Mobilitätsangebot.
Während der Ausbau von Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen der Erschließung der letzten alpinen Rückzugsgebiete konsequent abgelehnt werden müssen, kann der Ausbau auf regionaler Basis, etwa für den Bau von Fahrradwegen, durchaus hilfreich und im Interesse einer nachhaltigen Tourismusentwicklung sein.
Wer im Rahmen einer nachhaltig orientierten Tourismusentwicklung von der regionalen Verkehrsbelastung wegkommen will, kommt an einer kreativen Entwicklung innovativer Mobilitätsangebote für die Einheimischen und Gäste nicht vorbei. Projekte, wie etwa das Tälerbuskonzept oder Alp mobil sind hierfür konstruktive Beispiele.
Festgestellt wurde ferner, dass Mobilitätskonzepte nur dann als Alternative zu bereits bestehenden Transportsystemen (namentlich Straßenverkehr mit dem eigenen PKW)angenommen werden, wenn diese Mobilität als geschlossenes Transportnetz angeboten wird. Das heiß konkret der Transport von Gast und Gepäck ab Wohnort bis zur Unterkunft in der Destination einschließlich eines ausreichenden Transportangebotes innerhalb der Region selbst.

Diskutiert wurde in der Konferenz die Möglichkeit einer höheren touristischen Wertschöpfung über Mengen- und Preisvariablen, sowie über die Multiplikatorwirkung regionaler Produkte. Es wurde allerdings deutlich, dass eine entscheidende Erhöhung der Wertschöpfung nur über die Qualität des Angebotes erreicht werden kann. Massentourismus in ländlichen Bergregionen schafft mehr Probleme als Lösungen!

Für jede Art der Strategie, ob innovative Sport- und Freizeitangebote, Trekking, Wellness, Konzepte auf Basis von Regionalprodukten oder regionalen Ressourcen (nachwachsender Rohstoff Holz!), Grundlage des Erfolgs ist und bleibt die Qualität des Angebotes. Dieser Prozess der Optimierung und Qualitätserhöhung ist i n einer hochkompetitiven Welt des internationalen Tourismus unverzichtbar. Kultur -und Bildungsangebote sind komplementär hierzu notwendig. Sie können im Rahmen jeder Tourismusstrategie einen sehr wichtigen Beitrag leisten, allerdings unter der Voraussetzung, dass hierüber zwischen den Einheimischen und den Gästen ein echter Dialog stattfindet.

Die Konferenzteilnehmer waren sich darüber einig, dass alle diese genannten Strategien und deren konkrete Umsetzung nur unter der Voraussetzung Erfolg versprechen, wenn diese touristischen Programme auch publik gemacht werden. Das gilt für den Sommertourismus in besonderem Maße.
Unbestritten ist hierbei die wichtige Rolle der Mundpropaganda. Diese allein reicht allerdings nicht aus! Im Zeitalter der elektronischen Information und Kommunikation ist es außerordentlich wichtig, dass eine Region sich touristischen auch in diesen elektronischen Medien darstellt, allen voran im Internet. Hier sind noch erhebliche Defizite festzustellen. Die Informationsqualität der meisten touristischen Websites ist mangelhaft. Es fehlt fast immer an konkreten Hinweisen auf die Besonderheiten einer Region, auf spezifische Programme, auf Termine und verantwortliche Ansprechpartner, auf konkret angebotene Dienstleistungen, auf die Art und Durchführung innovativer Freizeit- oder Bildungsangebote, auf charakteristische Regionalprodukte oder sanfte Mobilitätsangebote.

Deutlich wurde schließlich, dass ein erfolgreiches Tourismuskonzept die demographischen Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur unter allen Umständen beachten muss. Wenn bereits heute annähernd ein Drittel der Bevölkerung über 60 Jahre alt ist und in absehbarer Zeit mehr als 11 % der Menschen über 80 Jahre alt sein wird, dann hat dies weitreichende Konsequenzen auf jede Art von (Sommer)-Tourismus. Konkret heißt dies, dass man sich von vornherein einig werden muss, welche Art von Zielgruppen beworben werden soll., und zwar sowohl hinsichtlich der Altersgruppen, als auch die Grundeinstellun g der Gäste. So haben beispielsweise die Verantwortlichen des Biosphärenparks Großes Walsertal beschlossen, sich auf Gäste zu konzentrieren, von denen anzunehmen ist, dass sie sich mit den Leitvorstellungen der Region identifizieren.

Zusammenfassend sei an ein Wort der Konferenzteilnehmerin Dr. Mirella Cerato erinnert:

"Sustainable (summer) tourism is a long term investment!"

In der Tat kann ein nachhaltiger Sommertourismus nicht auf kurzfristigen Erfolgen aufbauen. Die Konferenz hat aber zahlreiche Anregungen und Gedanken vermittelt, deren Vertiefung und Konkretisierung sich lohnen wird. Hierzu sollten alle Verantwortlichen ermutigt werden!

 


Pressestimmen



Zum Seitenanfang