PROJEKT ALPENTRANSITBÖRSE

Die in der Schweiz ansässige Alpeninitiative engagiert sich seit Jahren für eine verbesserte Regelung des alpenquerenden Transitverkehrs. Sie hat kürzlich ein neues Konzept für die Einrichtung einer Alpentransitbörse vorgelegt. Durch Ausgabe von Transitrechten soll ein marktwirtschaftliches Instrument zur Begrenzung des ständig ausufernden Transitverkehrs in den Alpen geschaffen werden. Wir sehen in diesem Ansatz eine klare Parallele zu dem von der EU seit Januar 2005 eingeführten Emissionshandel, ein marktwirtschaftliches Instrument, das sich nach Auffassung der Energie- und Umweltexperten mit hoher Wahrscheinlichkeit längerfristig auch global durchsetzen wird.

Das ALPENFORUM hält den Vorschlag der Einführung einer Transitbörse für interessant und unterstützt alle Bemühungen, die möglichen Vorteile, aber auch denkbare Schwächen dieses Konzeptes und dessen politische Implementierung auf europäischer Basis unter verkehrstechnischen, ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten zu prüfen.
Nachfolgend haben wir die wichtigsten Elemente dieses Vorschlages kurz zusammengefasst:


Erläuterung des Projektvorhabens

Die Alpentransitbörse will die alpenquerenden LKW-Fahrten durch die Ausgabe von Transitrechten begrenzen, gerecht auf die verschiedenen Übergänge und Werktage verteilen und über eine internetgestützte Börse handeln. Wie bei anderen beschränkten Gütern soll die Nachfrage den Preis bestimmen. Damit können Staus vermieden werden, die Bevölkerung in der sensiblen Alpenregion wird vor übermäßigen Belastungen geschützt und die Eisenbahn wird zu einem ebenbürtigen Konkurrenten.

Menschen und Umwelt in den Alpen leiden unter dem ständig wachsenden Gütertransitverkehr. Trotz zahlreichen offiziellen Bekenntnissen für die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene tun sich die Alpenländer aber schwer damit, diesen in erträgliche Bahnen zu lenken. Hier setzt die Alpentransitbörse an. Was will diese von der Alpen-Initiative initiierte Börse konkret?

1. Festlegung einer sinnvollen Obergrenze.
Die LKW-Fahrten durch die Alpen werden durch einen politischen Entscheid auf das erträgliche Maß limitiert. Dieser Plafond kann schrittweise vom heutigen auf das angestrebte Niveau gesenkt werden.

2. Verteilung
 Die erlaubten Fahrten (Transitrechte) werden auf die verschiedenen Alpenübergänge und Werktage verteilt. Dabei sind Kriterien wie die Sicherheit und die Gesundheit der betroffenen Bevölkerung als Maßstab zu nehmen.

3. Ausgabe
 Die Transitrechte werden periodisch zum Voraus versteigert oder als Bonus gratis an die Benutzer der Schiene verteilt (1 Transitrecht für die Strasse gegen X Einheiten im Schienentransport).

4. Handel
 Die Transitrechte können von den Besitzern selber benützt oder an der internetgestützten Alpentransitbörse weiterverkauft werden. Buchung und Bezahlung erfolgen weit gehend automatisch. Die Börse liefert gleichzeitig die Vergleichspreise für den Transport auf der Schiene.

Die Alpentransitbörse ist marktwirtschaftlich, gewährt die freie Wahl des Verkehrsmittels und ist nicht diskriminierend; weder Nationen noch Gruppierungen werden bevorzugt behandelt.

Die Politik definiert die Leitplanken, der Markt regelt den Rest. Die Zieldefinition der Alpentransitbörse liegt bei den politischen Behörden. Diese legen die Anzahl der erlaubten LKW-Fahrten durch die Alpen fest, wobei politische Vorgaben (Verlagerung) wie auch Kriterien von Umweltschutz, Gesundheit und Sicherheit berücksichtigt werden. Den Rest regelt der Markt. Der Preis wird durch die Nachfrage bestimmt. Dieses System ist marktwirtschaftlich, gewährt die freie Wahl des Verkehrsmittels und ist nicht diskriminierend, da weder Nationen noch Gruppierungen bevorzugt behandelt werden.

5. Zahlreiche Vorteile für Wirtschaft und Bevölkerung

Die Alpentransitbörse bringt sowohl für die Wirtschaft wie auch für die Bevölkerung entlang der Transitachsen nur Vorteile. Spediteure können ihre Transporte langfristig planen. Weil durch die Begrenzung und Verteilung der Fahrten das Verkehrssystem nicht überlastet werden kann, verschwinden die LKW-Staus und damit auch die Staukosten. Denn mit der Börse werden in der Regel keine Fahrten angetreten, für welche keine Transitrechte vorliegen. Für die Straßenbetreiber erübrigen sich die Kosten für Einrichtung und Betrieb von großflächigen Warteräumen.

Die einzelne LKW-Fahrt dürfte durch die Alpentransitbörse unter dem Strich kaum teurer werden, da diese die Kosten für sinnlose Wartezeiten im Stau und die Unsicherheiten bezüglich Transportzeit auf der Strasse einspart. Zudem liefert das System den Nutzern klare Entscheidungsgrundlagen für die Verkehrsmittelwahl. Mit der Alpentransitbörse kann auch die Bevölkerung entlang der Transitachsen aufatmen. Die Anzahl der Fahrten pro Übergang wird auf ein Maß beschränkt, welches für Menschen und Umwelt erträglich ist. Die Transporteure werden sich bemühen, Leerfahrten zu vermeiden. Die Wirtschaft hat einen zusätzlichen Anreiz, auf unnötige Transporte zu verzichten.

6. Kostengerechtigkeit auch für die Bahn
 
An der Alpentransitbörse wird sich für die Transitrechte ein Preis ergeben, der die Gesamtkosten des Straßentransports den Kosten des konkurrierenden Bahnangebots annähert. Damit wird der jetzige Preisvorteil der Strasse weit gehend ausgeglichen. Die Konkurrenz unter den verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmungen verhindert, dass die Bahnen ihre Tarife beliebig hoch ansetzen können. Da die Menge der Transitrechte bekannt und deren Preis langfristig einschätzbar sind, entsteht für die Wirtschaft ein starker Anreiz zur langfristigen Umdisponierung der Logistik. Die Bahn müsste dann nicht mehr mittels einer rollenden Landstrasse kurzfristiges Überlaufventil spielen, sondern könnte ihre wahren Stärken im unbegleiteten Kombiverkehr und im Wagenladungsverkehr voll zur Geltung bringen. Das mit der internetgestützten Börse verbundene Informationssystem macht auf Alternativmöglichkeiten auf der Schiene aufmerksam und erlaubt die direkte Buchung.

7. Eine Lösung für den gesamten Alpenraum
Das System der Alpentransitbörse kann auf den ganzen Alpenbogen angewandt werden und den gesamten Nord-Süd-Verkehr erfassen. Um Umwegverkehr zu vermeiden ist dies sinnvollerweise auch anzustreben. Das System lässt sich ohne Probleme mit der leistungsabhängigen Schwerverkehrs - abgabe (LSVA) in der Schweiz, mit der österreichischen Maut und den Tunnelgebühren in den französisch-italienischen Alpentunnels kombinieren. Werden die Transitrechte nicht versteigert, sondern gratis an die Benutzer der Schiene verteilt, so entstehen auch keine zusätzlichen staatlichen Abgaben; die Gewinne fallen als eine Art Bonus bei den Benützern der Schiene an. Die Alpentransitbörse lässt sich mit der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe in der Schweiz, mit der österreichischen Maut und mit den italienisch-französischen Tunnelgebühren kombinieren.

8. EU-konformes Konzept
Die EU, die für ihren Markt auf funktionierende Transporte angewiesen ist, kann es sich nicht leisten, dass Hauptverkehrsachsen während Monaten oder gar Jahren außer Betrieb sind. Die verschiedenen schweren Unfälle in den Alpentunnels mit monatelangen Sperrungen der einzelnen Alpenübergänge haben deshalb ein Umdenken ausgelöst. Diese neuen Erkenntnisse in der Verkehrspolitik haben sich in verschiedenen Dokumenten niedergeschlagen. So unterstützt die von der EU 1996 ratifizierte Alpenkonvention marktkonforme Anreize für die Lenkung des Verkehrs, solange es dabei nicht zu Diskriminierungen kommt. Eine Studie der Europäischen Umweltagentur (EEA) von 2001 anerkennt die besondere Sensibilität der Alpen und fordert weitergehende Maßnahmen zu ihrem Schutz bis hin zur Bedarfssteuerung des Verkehrs. Das EU- Weißbuch über die Zukunft des Verkehrs von 2001 haut in die gleiche Kerbe. Auch die neue Eurovignettenrichtlinie sieht einen Zuschlag für sensible Regionen vor. Die Alpentransitbörse könnte den Platz dieses Zuschlags einnehmen, wie der deutsche Sachverständigenrat für Umweltfragen in seinem Sondergutachten "Umwelt und Straßenverkehr" (2005) vorschlägt.

In der Zürcher Erklärung der Verkehrsminister der Alpenländer vom 30. November 2001 werden faktische Mengenbegrenzungen durch Einbahnverkehr, Tempolimiten oder Mindestabstände gebilligt. Denn allen ist klar: Ohne klare Begrenzung der Fahrten droht der Alpentransit auf der Strasse eines Tages vollständig zusammenzubrechen, sei es, weil der Verkehr an sich selber erstickt, durch eine weitere Katastrophe für Monate oder Jahre gelähmt wird oder am Widerstand der ansässigen Bevölkerung scheitert. Die freie Wahl des Verkehrsmittels, das Kontingentierungsverbot sowie die Nichtdiskriminierung sind das Credo der europäischen Verkehrspolitik. Die Alpentransitbörse ist darauf ausgerichtet. Die faktisch längst bestehende Mengenbegrenzung aus Sicherheitsgründen wird statt über den unberechenbaren Stau durch ein intelligentes System mit handelbaren Fahrleistungsrechten diskriminierungsfrei gesteuert. Gleichzeitig wird die ökologische Zielvorgabe mit den geringst möglichen volkswirtschaftlichen Kosten erreicht. Dies bestätigt eine vom Schweizer Bundesrat in Auftrag gegebene Studie, welche der Alpentransitbörse auch bescheinigt, technisch und betrieblich machbar zu sein.

Die Alpentransitbörse ist ein marktwirtschaftliches Instrument, welches den Weg, nicht aber das Ziel den Marktkräften überlässt.

Kontakt: Alpeninitiative
Herrengasse 2, CH 6460 Altdorf, UR Schweiz

[email protected]
www.alpentransitboerse.ch

Ansprechpartner: Alf Arnold, Geschäftsführer