Die Alpenkonvention, Nr. 17 - Jahrgang 1999

Alpenforum - konstruktiv am Werk

Der Verein 'Alpenforum', der unter anderem die Umsetzung der Alpenkonvention unter seinen vorrangigen Zielen führt, trat in den vergangenen Monaten mit zwei Aktivitäten an die Öffentlichkeit: Eine ansprechend gestaltete Schriftenreihe wurde mit den internationalen Beiträgen zur im Vorjahr stattgefundenen Tagung 'Wasser: Flüssiges Gold der Alpen" gestartet. Im Anschluß an die im Mai 1999 in Murau durchgeführte Veranstaltung 'Leben in den Alpen - Chancen einer sozialverträglichen Zukunft' wurde ein 15-Thesen-Papier entwickelt und die alpenweite Diskussion stimuliert. Auch dies ein Beitrag zum Umsetzen der Verpflichtungen aus der Alpenkonvention zum Thema 'Bevölkerung und Kultur".

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Murtaler Zeitung, 12.  Juni 1999

Alpenforum“ will sozial unverträgliche
T
rends korrigieren

Das "Alpenforum' führte am 27. Mai im Hotel Brauhaus in Murau eine Vortragsveranstaltung zum Thema "Leben in den Alpen - Chancen einer sozialverträglichen Zukunft" durch.  Wie der Präsident des"Alpenforums', Dr. Dipl.-Ing. Ian C. Meerkamp van Embden, einleitend anmerkte, haben die enormen Strukturveränderungen der letzten Jahrzehnte im Alpenraum zu mehr Wohlstand und einem deutlich höheren Lebensstandard der Bevölkerung geführt.  Aber auch zum Verlust einstmals gesicherter, wenn auch bescheidener Lebensgrundlagen'.

Dr. van Embden: Der Tourist will den Zentren unserer Industriegesellschaft entfliehen und träumt von einer scheinbar heilen Alpenwelt.  Aber dieser Schein trügt.  Der fortschreitenden Urbanisierung in standortgünstigen Tallagen steht vielfach ein Bevölkerungsschwund In strükturschwachen Gemeinden und die Auswanderung vor allem junger Menschen gegenüher".

Dem unaufhaltsamen Niedergang der Berglandwirtschaft und vieler Unternehmen sei in den letzten 20 Jahren ein immer höherer Verlust an Einzelhandelsgeschäften, Mittelstands- und Handwerksbetrieben sowie schließlich auch öffentlicher Dienstleistungen in strukturschwachen Gemeinden gefolgt. "Die damit verbundene volkswirtschaftliche Demontage, vor allem aber der Verlust kultureller und sozialer Identität ist nicht zu leugnen", meint Dr. van Embden.

"Man war bemüht, den materiellen und sozialen Schwund durch -ein entsprechendes Wachstum in Form unterschiedlicher Dienstleistungen zu kompensieren. Der Tourismus galt dabei und gilt auch heute noch als Erfolgsrezept.

Dr.  Dipl.-Ing. lan C. Meerkamp van Embden, Präsident des "Alpenforums".

Doch auch hier mehren sich die Fragezeichen, denn die Tourismusbranehe selbst unterliegt insbesondere in den großen Wintersportzentren einem immer gnadenloseren Konkurrenzkampf um die Gunst der Gäste.  Und dies fast immer auf Kosten des begrenzt verfügbaren Naturkapitals.

Die massive Interventionspolitik zum Bau subventionierter Wintersportzentren aus der Retorte hat sich gerade in den Westalpen nachweislich nicht zum Vorteil der dortigen Gemeinden entwickelt. Verdient haben an solchen Projekten in erster Linie die externen Promotoren".

Der Präsident des "Alpenforums" erwähnte auch die Verkehrssituation: "Der Personenverkehr, vor allem aber der massive Gütertransport auf den Straßen der alpinen Nord-Süd-' und Ost-West-Verkehrsachsen hat explosionsartig zugenommen und wächst ungebrochen weiter.  Der regionale Nahverkehr wird überlagert von der steigenden Zahl von Pendlern, die oft weite Anfahrten zu ihren meist städtischen Arbeitsplätzen in Kauf nehmen müssen. Diese Entwicklung hat das Leben unserer Gemeinschaft geprägt, keineswegs zum Vorteil".

Das „Alpenforum" will Wege diskutieren, - wie positive Entwicklungstendenzen unterstützt und sozial unverträgliche Trends korrigiert, ja, vielleicht sogar vermieden werden könnten. Das "Alpenforum" hat Vorschläge erarbeitet. Die MURTALER ZEITUNG wird in den nächsten Ausgaben einen Auszug aus den „15 Thesen zur sozialverträglichen Entwicklung des Alpenraumes“ veröffentlichen.

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Murtaler Zeitung, 06. Juni 1998

 

Wasser: Flüssiges Gold der Alpen

Bedeutende Wissenschaftler aus Deutschland, Italien, der Schweiz, Österreich und der EU diskutierten unter dem Thema ,Wasser, flüssiges Gold der Alpen- am 4. Juni im Brauhaus Murau darüber, wie man die Ressourcen des Wassers in den Alt)en schützen, pflegen und für die Zukunft erhalten kann.

Nach der Begrüßung durch Begm. Kalcher gab Präsident Dipl.-Ing. Dr. Meerkamp van Embden einen Überblick über die verschiedensten Wege des Wassers aus dem Alpenraum bis zu den Meeren. Ohne Zuflüsse von Rhein, Donau, Inn, Salzach, Enns, Mur, Drau, Po und der Rhone wäre die Bedarfsdeckung an Trink- und Brauchwasser undenkbar. Der Alpenraum stellt verteilt über 143.000 km2 eine Abflußmenge von 200 Milliarden Kubikmeter Süßwasser zur Verfügung. Sauberes Wasser ist die existentielle Grundlage für unser Leben und unsere Gesundheit, es ist nicht nur selbstverständliche Plicht, sondern vor allem ein persönliches Privileg jedes Einzelnen, dieses Geschenk der Natur für die kommenden Generationen zu erhalten. Dr. Meerkamp van Embden konnte auch ein Grußwort der Bundesumweltministerin Deutschlands, Frau Dr. Angela Merkel verlesen, in dem diese dem Alpenforum zu seiner Initiative für das Wasser gratulierte. Dr. Helmuth Blöch, der Leiter des Bereiches Gewässerschutz in der Generaldirektion XI für Umweltschutz in Brüssel, erklärte die Ziele der Wasser-Rahmenrichtlinie der EU, die in Vorbereitung steht. Der Gewässerschutz soll auf alle Gewässer, Oberflächengewässer und das Grundwasser erstreckt werden und es soll dafür Sorge getragen werden, daß diese Gewässer in einem guten Zustand gehalten werden, der auch überwacht werden soll. Die Erhaltung der Qualität soll kostendeckende Gebühren finanziert werden.Die Europ. Wasser-Rahmenrichtlinie soll sieben ältere europäische Vorschriften aufheben und somit eine einheitliche Regelung für alle EU Staaten bringen.
Der Direktor der Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz Dübendorf, Schweiz, Dipl.-Ing. Bundi, referierte über die Situation in der Schweiz. Die wasserrechtlichen Bestimmungen der Schweiz werden, so wie alle anderen Gesetze, eng mit der EU koordiniert und akkordiert. Er stellte in seinem Vortrag dar, daß Nachhaltigkeit für ökologisch, wirtschaftlich und sozial verantwortungsvolles Handeln steht. Es gilt, für das Wasser Weichen zu stellen, die das Wohlergehen von Mensch und Natur langfristig gewährleistet. Nachhaltigkeit ist nicht teilbar, einseitige Intressengewichtungen zum erheblichen Nachteil von einzelnen Gütern und Regionen verbieten sich. Ein grossmaßstäblicher Handel steht im Widerspruch zu diesen Geboten. Das Wasser aus dem Alpenraum soll seinen natürlichen Weg auch weiterhin fließen können, sprich natürlich exportiert werden. Prof. Dr. Haber von der TU München in Freising-Weihenstephan erklärte mit sehr verständlichen Worten, wie das Wasser auf Grund der von der Natur vorgegebenen unterschiedlichen Zusammensetzung (allein schon bei der Wasserhärte) auf Schwierigkeiten stoßen wird. Als Lösungs-, Transport-, Produktionsmittel etc. ist das Wasser eines der wichtigsten Güter der Erde, die es zu erhalten gilt.

 


Dipl.-Ing. Dr. Meerkamp van Embden,
Präsident des "Alpenforum".


Bgm. Alfred Kalcher hieß die Wissenschaftler
und das Forum in Murau willkommen.


Prof. Dr. Klaghofer vom Institut für Kulturtechnik und Bodenwasserhaushalt in Petzenkirchen schilderte die Situation Österreichs. Er stellte den Zusammenhang von Wald, Boden, Bodenbewirtschaftung dar. In Österreich stehen 90 Mrd. Kubikmeter Wasser zur Verfügung, der Ausnutzungsgrad des Grundwassers liegt insgesamt nur bei 5%. 70% des Gesamtbedarfes an elektrischer Energie wird durch Strom aus Wasserkraft abgedeckt, sodaß Österreich dabei an 2. Stelle in Europa liegt. Für die Lawinenverbauung einschließlich der Sanierung von Waldgebieten wurden 1996 842 Mio. S ausgegeben.

Dr. Klaghofer betonte, daß Böden in alpinen Regionen ausreichend gepflegt werden müssen, um die Wasserspeicherfähigkeit zu erhalten.

70.000 bewirtschaftete Almen helfen, die Verbuschung und Verkrautung und damit auch die Speicherfähigkeit der Böden zu erhalten.

In Vertretung des Landesrates von Südtirol, Dr. Laimer referierte Ernesto Scaperi über die Bemühungen Südtirols, vor allem die Abwasserentsorgung auf den Stand der Technik zu bringen. In Südttrol wurde erst 1994 durch ein Gesetz die Hoheitsgewalt des Landes auf alle oberirdischen und unterirdischen Gewässer ausgedehnt und die Gewässerschutzbereiche auf für die bisherigen Privatgewässer ausgedehnt. Die autonome Bewirtschaftung und eigene Hoheitsgewalt über die Südtiroler Wasserresourcen stehen im Mittelpunkt der Bemühungen Südtirols.

Prof. Dr. Salzwedel referierte über die Wasserrahmenrichtlinie, die in abgestimmten Aktionsplänen Schritt für Schritt Maßnahmen durchsetzen soll, die auf eine Optimierung der ökologischen Verhältnisse vor Ort unter den jeweils gegebenen Siedlungs- und Wirtschaftsstrukturen hinzielt. Vor allem geht es darum zu verhindern, daß die Alpenländer in einen wirtschaftlichen Wettbewerb untereinander treten, wer jeweils bereit ist, mehr Umweltzerstörung zuzulassen als der Nachbar.

Prof. Dr. Stalzer vom Institut für Wasservorsorgung und Gewässergüte der Universität für BodenkuItur in Wien erklärte in seinem Statement, daß für Österreich der kombinierte Ansatz mit der Verankerung von europaweit einheitlichen Emissionsgrenzwerten als Mindeststandard und die Vorgabe von Qualitätszielen ein Kernanliegen bei der europäischen Wasserrahmenrichtlinie darstellen. Darüber hinaus soll auch künftig die im Alpenraum gegebene Ressource Wasser optimal nutzbar sein, die Entscheidung darüber muß jedoch jedem Mitgliedstat individuell vorbehalten bleiben. Neben dieser Entscheidungshoheit gilt es aber auch die für den Schutz der Ressource getätigten Aufwendungen und eine mit dem Wasser verbundene Wertschöpfungabzusichern.

 

Das große Interesse an der Zukunft des "Überlebensmittels"
Wasser zeigte sich am Besuch und am hochkarätigen Präsidium.