Risikoabschätzung und Katastrophenmanagement

Vienna Declaration

Abschlussdokument der CALAR-Konferenz

Vom 17.-bis 19. Januar 2000 fand in der Hofburg Wien die internationale CALAR-Konferenz „Leben mit Naturgewalten“ statt. Die Konferenz ging auf eine Initiative des mit Unterstützung der EU durchgeführten Projektes CALAR (Concerted Action on Landslide and Avalanche Risk Reduction) zurück.

Die international hochrangig mit Fachleuten und Behördenvertretern besetzte Konferenz setzte sich mit den Risiken naturbedingter Katastrophen und deren Auswirkungen , Methoden einer verbesserten Früherkennung und den Chancen, aber auch Grenzen eines modernen Risikomangements auseinander.

Die im Rahmen dieser Konferenz intensiv durchgeführten Erörterungen von Lawinen, Rutschungen, Felsstürzen, Muren und Hochwasserfluten haben für den Alpenraum gegen den Hintergrund der jüngsten Lawinen- und Flutkatastrophen und anderen gravierenden Unglücksfällen im Gebirge grosse Aktualität.

Die CALAR-Konferenz hat als Ergebnis ihrer Referate  und Diskussionsbeiträge die als „Wiener Erklärung“ bezeichnete Resolution verabschiedet.

Das ALPENFORUM legt in Abstimmung mit der Konferenzleitung  die nachstehende, leicht gekürzte Fassung dieser Wiener Erklärung in einer deutschen und einer englischen Version vor.

Das ALPENFORUM will damit die Bedeutung eines integrierten Katastrophenmanagements im Alpenraum und die Notwendigkeit einer verbesserten Früherkennung von Unglücksfällen unterstreichen. Diese Information soll nicht nur unseren Mitgliedern und Kooperationspartnern, sondern auf breitester Basis auch den zahlreichen Interessenten unserer Website zugänglich gemacht werden.

Ein weiterer Gefahrenherd:  Waldbrand!

Another dangerous hazard:   Forest Fire!

WIENER ERKLÄRUNG

(Die Risiken aus Gebirgsgefahren (wie Lawinen, Muren, Rutschungen, Felsstürze) gewinnen weltweit an Bedeutung. Umweltzerstörungen durch den unüberlegten Eingriff des Menschen in die Natur sowie Klimaänderungen erhöhen das Gefahrenpotential. Der mit der Urbanisierung einhergehende Anstieg von Bevölkerungsdichte und Mobilität, der Ausbau von Infrastruktur und Industrieanlagen setzen immer mehr Menschen und Sachwerte der Gefahr von Naturereignissen aus und führen damit zu einer Erhöhung des Risikos.

Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, wird eine Strategie mit folgenden zwei Zielen angestrebt:

1)      Die Gesellschaft muss besser auf Katastrophenfälle vorbereitet sein.

2)      Die Gesellschaft muss von der Reaktion auf Katastrophen und dem Gefahrenschutz zum Risikomanagement übergehen. Dies soll durch die Integration von Risikopräventionsstrategien in nachhaltige Entwicklungsprogramme erfolgen.

Die genannten Ziele stehen im Einklang mit jenen der UN ISDR.

Beschlüsse

Die folgenden Beschlüsse der CALAR Konferenz richten sich an alle nationalen und internationalen Organisationen sowohl staatlicher als auch privater Natur sowie an Einzelpersonen.

gefahren- und risikobewertung

1)      Verbesserung des wissenschaftlichen Verständnisses von Massenbewegungen.

2)      Aufbau, Verwaltung und Koordination nationaler und internationaler Datenbanken über Gefahrenereignisse und Schäden an der natürlichen und gebauten Umwelt. Der Zugang zu diesen Datenbanken muss uneingeschränkt sein.

3)      Verständnis und Quantifizierung der Katastrophenanfälligkeit von Mensch und Gesellschaft, Umwelt, Gebäuden und Infrastruktur sowie Entwicklung von Methoden zur Verringerung dieser Anfälligkeit.

4)      Verbesserung von Gefahrenkarten mit einheitlicher Methodik.

5)      Entwicklung von Werkzeugen zur Risikobewertung, z.B. Risikokarten und Studien über sozioökonomische Auswirkungen, für die Vorhersage potentieller Schäden, als Indikatoren für Risikoänderungen und zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit.

Risikominderung

 1)      Implementierung und Durchsetzung von Raumplanungsrichtlinien auf der Basis annehmbarer Risikostufen.

2)      Anwendung angemessener Bautechniken zur Minderung der Auswirkungen von Naturgefahren auf Menschenleben, Umwelt und Sachwerte.

3)      Überwachung von gefährdeten Bereichen (durch Sensoren, Satelliten, Menschen), Entwicklung und Anwendung von Frühwarnsystemen.

4)      Förderung des integrierten Krisenmanagements.

5)      Einbeziehung von Versicherungen als integralen Bestandteil von Risikominderungsstrategien.

kapazitätSAUFBAU

1)      Entwicklung multidisziplinärer Netzwerke unter Einbeziehung aller Betroffenen, wie Wissenschaftler, Techniker, Stadtplaner, Behörden, Versicherungs- und Tourismusindustrie und Risikomanager sowie Aufbau von Public-Private Partnerships.

2)      Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Gefahren und Risiken.

3)      Förderung multidisziplinärer Information, Bildung und Schulung.

4)      Förderung von Erfahrungs-, Wissens- und Technologieaustausch zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

5)      Vermehrte Einbeziehung lokaler Gemeinschaften in Maßnahmen zur Katastrophenminderung und Förderung angemessener Bildungsprozesse.

Die Teilnehmer der Konferenz sind überzeugt, dass die allgemeinen Ziele und die in dieser Erklärung aufgelisteten Einzelschritte die Risiken von Gebirgsgefahren auf eine annehmbares Niveau reduzieren werden, damit wir auch im 21. Jahrhundert mit Naturgewalten leben können.

 

Risk assessment and catastrophe management

Final document of the CALAR conference

From January 17 to 19, 2000, 400 representatives of science, industry, the public sector and governmental agencies facing the challenges of natural hazards convened in Vienna on the initiative of the EC approved project CALAR (Concerted Action on Forecasting, Prevention, and Reduction on Landslide and Avalanche Risks) and under the auspices of the United Nations International Decade for National Disaster Reduction/International Strategy for Disaster Reduction (IDNDR/ISDR), the International Association for the study of insurance economics (the Geneva Association) and the international society for Soil Mechanics and  geotechnical engineering (ISSMGE).

On the basis of the presentations and discussions and considering previous findings this conference agrees on the following declaration.

 

Vienna Declaration

The significance of risks related to natural hazards (such as avalanches, debris flows, landslides and rock falls) is growing on a world-wide scale. Environmental degradation caused by man´s interference with nature and by climatic changes increases the hazard potential. Growing population density and mobility associated with urbanisation, expanding infrastructure and industrial facilities and tourism expose more people and more property to hazardous events and thus generate increasing risks.

The strategy to account this development has two objectives:

1)      Society has to become better prepared for the impact of disasters.

2)      Society has to proceed from reaction to, and protection against hazards, to the management of risk by integrating risk prevention strategies into sustainable development programmes.

Resolutions

The following resulutions of the CALAR-Conference are addressed to all national and international organisations, whether government or private and to individuals.

Hazard and Risk Assessment

1)      Improve the scientific understanding of mass movements on slopes.

2)      Establish, manage and co-ordinate national and international databases on hazardous events and damage to the natural and built environment. Access to these databases should be unrestricted.

3)      Understand and quantify the vulnerability of people and society, the environment, buildings and infrastructure, and develop methods of reducing vulnerability.

4)      Improve hazard maps with unified methodologies.

5)      Develop risk assessment tools, such as risk maps and socio-economic impact studies for the prognosis of potential damage, as indicators for changing risk and in order to increase public awareness.

Risk reduction

1)      Implement and enforce land-use planning based on acceptable risk levels.

2)      Apply appropriate engineering techniques to reduce the impact of hazards on human life, environment and property.

3)      Monitor hazard-prone sites (with sensors, satellites, human observations), develop and apply early warning systems.

4)      Promote integrated crisis management.

5)      Consider insurance as integral part of risk reduction strategies.

Capacity building

1)      Develop cross-disciplinary networks, that include all stakeholders, such as geoscientists, engineers, urban-planners, political authorities, insurance and tourist industry staff and risk managers, and develop public-private partnerships.

2)      Improve public awareness of hazards and risks.

3)      Promote multidisciplinary education, training and exchange of information.

4)      Foster the exchange of experience, knowledge and technology between and within the developed and the developing worlds.

5)      Promote the involvement of local communities in disaster reduction approaches and encourage appropriate educational processes.

The conference participants are convinced that the general objectives and the items for specific action listed in this declaration can reduce risks posed by natural hazards to an acceptable level, which in turn will help us to live with natural hazards in the 21st century.