Wintertourismus: Höher, teurer, aufwendiger ?

KONSEQUENZEN DES KLIMAWANDELS FÜR DIE INVESTITIONSPOLITIK VON WINTERSPORTZENTREN

ProClim - Forum für Klima und Global Change der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften, hat sich mit den Folgen der Klimaerwärmung und den damit verbundenen Konsequenzen für die Zukunftsstrategie von Wintersportzentren befasst. Aus diesem bedenkenswerten Beitrag geben wir einige uns besonders wichtig erscheinende Überlegungen in leicht überarbeiteter und gekürzter Form wider.
Die Lektüre des Originalbeitrags sei den alpinen Tourismusstrategen empfohlen. Die in der Studie gemachten Feststellungen decken sich weitgehend mit den Ergebnissen eigener Erhebungen, die das ALPENFORUM zum Thema "Leben in den Alpen" 1998/99 durchgeführt hat.


Auch in tiefliegenden Skigebieten wird zum Teil noch in den Ausbau der Anlagen investiert. So entstehen insbesondere künstliche Beschneiungsanlagen und bodenunabhängige Transportanlagen. Andererseits lassen aktuelle Klimamodellrechnungen erwarten, dass in wenigen Jahrzehnten möglicherweise nur Skigebiete oberhalb 1600 bis 2000 m. ü. M. mit einer über mehrere Jahre ausreichenden Schneedecke rechnen können. Geht die Kosten-Nutzen-Rechnung noch auf? Das zu erwartende Ausweichen insbesondere von Tagestouristen in schneesichere Gebiete erhöht den Druck zum Ausbau von Spitzenkapazitäten. Ein solcher Ausbau in hochalpinen Lagen ist mit einem erhöhten Risiko technischer oder wetterbedingter Anfälligkeit (beispielsweise. Absinken der Permafrostgrenze oder verstärkter Winddruck) verbunden.

Viele Wintersportgebiete bewegen sich aber bereits jetzt an oder jenseits der Rentabilitätsgrenze. Derzeit stagniert der traditionelle Skisport auch unabhängig von einer Klimaänderung. Die anspruchsvoller gewordenen Skisportler erwarten sichere Schneeverhältnissen inklusive Beschneiung sowie keine oder allenfalls kurze Wartezeiten. Die an vielen Orten verfolgte Ausbaustrategie zwingt andere Orte, aus Konkurrenzgründen mitzuziehen. Dies führt zu einem ständig wachsenden Bedarf an Beschneiungsanlagen und zum Ausbau von Transportkapazitäten, da Warteschlangen dem Image schaden. Andererseits hat der Wintersport, wie beispielsweise die verbreitete Streichung von Schulskilagern zeigt, in der Schweiz tendenziell eher eine abnehmende Bedeutung.

Die Beschneiung der Pisten hat für die Wahl der Destination bei rund der Hälfte der Skisportler eine zentrale Bedeutung. Die Anfangs- und die Betriebskosten von Beschneiungsanlagen sind jedoch hoch. Nicht übersehen werde darf außerdem die Tatsache, dass bei warmen Temperaturen nicht beschneit werden kann. Diese Erfahrung wurde bereits in vielen Skigebieten gemacht. Ob sich gegen diesen Hintergrund bei stagnierenden oder gar sinkenden Besucherzahlen die Investitions- und Betriebskosten je rechnen, ist fraglich.

Fazit: Zukunftsinvestitionen in den Ausbau von Wintersportzentren und deren Infrastruktur bedürfen der Erstellung einer sorgfältigen Kosten- Nutzen- Analyse. Generell zeichnet sich ab, dass nur die für den Wintersport am besten geeigneten, schneesicheren Skigebiete langfristig werden überleben können.

Quelle: ProClim Climate-Press Nr. 15 (Januar 2003)
Kontakt: Urs Neu, e.mail: [email protected]